Zweytes Buch. 42z
nem Nazionalstolz schon ohnehin zum übertriebenenLuxus gewöhnt sind, durch sein eigenes Beyspiel,bey dieser Gelegenheit einen in die Augen fallendenPrachtaufwand zu machen. Man begnügte sich nicht,dem jungen kaiserlichen Prinzen durch die Vergnügun-nen köstlicher Gastereyen, oder durch die Reitze zahlrei-cher Assemblern die Zeit zu verkürzen. Die Prachtlie-be der Römer, die gerne schimmern, wollte auchöffentlich sich zeigen. Man stellte Wetterennen an,ließ kostbare Feuerwerke abbrennen, und gab demVolke nächtliche Schauspiele. Alle dieses machte mitder Andächteley der Römer einen auffallenden Kon-trast. Wer am Morgen in der Kirche gesehen wurde,erschien wahrend der Nacht in den Gelagen der Schwel-gen«). Selbst die Priester, von welchen es zu dieserZeit in Rom wimmelt, mischten sich unter die schwär-menden Haufen der Bacchanten, und liessen sich unterallerley weibischem Putze in Gesellschaften erblicken, dienur von den gröbsten Wollüstlingen besucht zu werdenpflegen.
' Unter diesen Abwechselungen von Ausgelassenheit undAndächteley neigte sich das heilige Jahr zum Ende,und pms mußte, dem Herkommen nach, die heiligePorte verschließen. Er bestimmte hiezu den 24. Christ-monath, an welchem Tag er sich im Gefolge der Kar-dinale und. der gestimmten hohem Geistlichkeit in dieVaticankirche tragen ließ, wo er die grosse Weihnacht-vesper anstimmte. Nach Beendigung derselben ertheilteer dem zahlreich versammelten Volke den pabstlichenSeegen, und setzte sich in die Sanfte, worinn er bisin die Mitte der Kirche getragen wurde. Hier ließ ersich auf die Kniee nieder, und betete die Lanze dcsLomSinus, das Kreutz, und das Schweißtuch der Vero-nika an, auf welchem Christus sein blutschwizeudesAngesicht abgedruckt haben soll. Von hier weg wurdeer in die Kapelle des Heil. Sakraments getragen, wo