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Erster Band.
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426 Gesch- d. römischkath. Kirche.

Indessen hakten die katholischen Höfe nicht erst nö-thig, mit ihren Reformazionen ein grosses Geräusche zumachen, und einige derselben vermieden sogar absicht-lich jeden Schein des Verdachts, als legten sie demjeni-gen, was sie im Kirchenwesen unternahmen, irgendeinen besondern Werth bey. Sie behandelten die Sa-che als ein schon langst unbestrittenes Regalienrecht,und konnten im Voraus des Beyfalls aller einsichtsvol-len Menschen sicher seyn. Ihnen mußte es ausserdemauffallend in die Augen leuchten, daß der römischeHof auch seinerseits nicht leicht allzu lebhaft sich regendürfte, ohne sich der unvermeidlichen Gefahr auszuse-zcn , die Streiche, die ihn trafen, doppelt empfindenzu müssen. Diese zuversichtliche Gleichgültigkeit, wo-mit die weltlichen Regenten den römischen Hierarchenwehe thaten, und diese gezwungene Unempfindlichkeit,mit welcher diese auf sich losstürmen liessen, rührt kei-neswegs, wie die Kurialisien meynen, von einem ver-wegenen Komplotte verworfener Religionsfeinde, son-dern gräßtcntheils daher, daß nur noch Leuthe, derenVernunft entweder gar nicht kultiviert , oder durch dieGewalt der Vorurthcile unterjocht wurde, in der rö-mischen Hofreligion die Spuren eines göttlichen Insti-tutes finden konnten. Zwar ist man im Jahre 1776.in der Aufklärung ( wenn ich mich je dieses verhaßtenWortes bedienen darf, um damit die allmahlige Ent-wickelung eines freyern Vcrnunftgebrauches zu bezeich-nen ) so weit noch nicht fortgerückt , das Wesentlicheder Religion so deutlich, wie heut zu Tage, von demZufälligen zu unterscheiden; aber gleichwohl ließen ihreso auffallenden Gebrechen jeden, der nicht ganz unwis-send war, die Nothwendigkeit ahnden, denselben, wiees auch immer möglich seyn möchte, abzuhelfen.

Daß es zuerst zur Reformienmg solcher Gegenstände,die mit der Dvgmatik in keiner Beziehung stuhuden,kommen müßte, hätte der römische Hof, an welchemdie Politik sonst einheimisch war, längst schon voraus-