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Erster Band.
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442 Gesch. römischkath. Kirche.

daß der Senat alles vermied, was das Dogma vcrle-zen konnte, hatte er sich noch lange nicht genug sichergestellt. Laut genug sagte es Rom, daß dasjenige,was Venedig, und zu der nämlichen Zeit beynahe allekatholischen Höfe äußerliche Kirchenpolizey oder usur-pierte Gewalt hiessen, dogmatische Wahrheit sey. KeinKurialist wird sich je so weit vergessen, die Immunitätder Personen und Guter des Klerus von der Dogmatikzu trennen. Wir haben bereits schon einige Beyspielevon dem, was sie für göttliche Glanbenswahrheitengehalten wissen wollen, gesehen, um zu begreifen,daß nicht leicht ein Gegenstand gefunden werden könnte,der, m so ferne er in den weiten Bcgriffsumfang paßt,den sie den Vorrechten des pabstiichen Primats geben,nicht aus dem nämlichen Grunde schon an sich selbst einDogma sey, das nicht bestritten werden dürfte, ohnevon der katholischen Religion abtrünnig zu werden. Eshatte zu Venedig nur ein Schwärmer auswerten dür-fen welcher dem rohen und in seiner Reugion höchst»«erfahrnen Volkshaufen die Polizeyverfügungen desSenates als 'Angriffe auf die Dogmatik vorgestellt hät-te, um eine allgemeine Empörung zu veranlassen. Dennnichts kömmt so leicht iu Brand, als Mensche», diein ihrer Religion gekränkt zu seyn vermeynen; und inkeinem Staate pflegt ein solcher Brand weiter um sichzu greifen, als in despotischen, deren innere Ruhe grosssentheils von der Gefchicklichkcit abhängt, mit welcherdie Regenten dem Volke jede Gelegenheit, die eine Er-schütterung in den Begriffen von Religion und Politikveranlassen könnte, aus dem Wege zu räumen wissen.

Pins hatte zu wenig Festigkeit in seinen Grundsätzen,und überhaupt zu wenig Welt-und Menschenkenntniß,um gerade immer den günstigsten Augenblick zu seinemVortheile gewahr zu werden. Auch läßt sich in seinemCharakter eine Gutmüthigkeit bemerken, die an denmeisten seiner Vorgänger vermißt wird, und die ihn