492 Gesch. d. römischkath. Kirche.
wollte er es wenigstens mittelbar . mgen, derselben zu ver-stehen zu geben, daß der Statthalter Christi und der Her-zog von Moden» über die nämliche Sache sehr ungleichdachten. Denn als ein in die Kirche u. L. F. dell Goregcflüchtcter Missethäter von dem Kriminalrichter verfolgtwurde, mußte der Kardinalvicar Ec-lonna diesen Richterexkommunizieren, und ihn ausserdem noch anhalten, demVerbrecher, dessen Auslieferung er so freventlich gefo-dert hatte, für die Schrecken, die er dem Schelme ver-ursacht hakte, eine Schadloshaltung an Geld zugeben*).
Noch ist es keinem Philosophen von Florenz, keinemJansenisten von Frankreich, keinen! pombal und kei-nem Tanucci zu Sinne gekommen, durch Begünstigungder Laster und Sittenlostgkeit Eraatsvvrtheile zu bezwe-ken. Einer solchen Politik bedienen sich nur despotischeRegierungen. Aber gleichwohl sind in den Augen derKurmlisten alle Philosophen, und alle Jansenisten Ab-schäume der Menschheit, die pombals und TanuccisVerbrecher ohne ihres gleichen. Man klagt daher inRom nicht über Mörder, über Räuber, über Eh-bre-chet', und über Meineidige; sondern man schreyet überObrigkeiten, die das Heiligtkum, d. i. die Finanzendes apostolischen Stuhles betasten; über Philosophen,welche die Einsichten der Volker erweitern; über dasAusbleiben einer wcissen Stutre; über die Ergreifungeines Missethäters, der seine verbrecherschen Händeaufden geweihten Altar legt, und über tausend und tau-send Dinge, die mit der Religion nicht in der geringstenVerbindung stehen. Man hat noch kein Beyspiel erlebt,-aß je ein Pabst ein ausgeartetes, verbrecherisches Volkmit der Kirchenbusse aezüchtiget hätte. Aber um so vielmehr Beyspiele sind vorhanden, daß Obrigkeiten, wel-che, nicht die Religion, sondern die Hierarchie beleidig-ten , in den Bann gethan wurden.
") Ebendaselbst. §. XXXlV. S- -50.