Band 
Zweyter Jahrgang.
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Und würde Wohl die Jugend bey den Wissenschaftenverlieren , die in ihrem Wesen ganz Genuß sind ! Wel-chem Jüngling ist nicht selbst die Wirksamkeit seines Al.rcrs zur Marter? Wo herrscht Langeweile schrecklicher;.ts im Müßiggänge? Nur Arbeit und Entwickelung derKräfte würzt jede Freude, und giebt der Seele das höchstemenschliche Vergnügen — sich grösser und besser zu fühlen.

Welcher Stand könnte glücklicher seyn, als der einesaufgeklarten bernerschcn Patriziers ? Er ist groß , ohnedurch seine Grösse, wie Alleinherrscher, verdorben zuwerden. Er fühlt den edeln Stolz, daß von seinen Tu-genden, wie von Schutzgöttern, das Wohl einiger Hun-derttausenden abhängt ; und daß dieses Ansehn nichtauf Gewalt, sondern auf persönliches Verdienst gestützetist : Er darf Tugenden überall verehren, ohne das bittereGefühl zu empfinden, groß durch seine Stelle, undklein durch sich selbst zu seyn ; Reichthum und Aufklä-rung kann nur Er nicht beneiden , weil der Staat reichan Sparsamkeit, und Er groß durch Tugend ist.

Dieser edle Geist würde bald seine Grösse dem Staatemittheilen, und über dessen Unvermöglichkeit nicht mehr«.schrecken. Er würde fühlen daß der Staat alles istwas er seyn kann, und den edeln Schweizergedanken —den Tod fürs Vaterland — nicht, als aus Romanenoder Chroniken gezogen, belachen. Eine Republik istfrey, wie der Mann welcher Freyheit über Alles, unddas Leben nur in Ihr verehret.

Diese Gesinnungen in Regenten, die gleich ihren Vor-ältern als grosse Krieger ihrem Volke bekannt waren ,würden sie bey benachbarten Fürsten hochgeschätzt ma-chen. Und sollte die letzte Stunde der Republik anrücken,so wäre sie — nur eine Stunde : Der tapfere Mannstirbt nur einen Augenblick; der Weichling stirbt jede Stun-de , weil er sein Nichts in jeder Stunde fühlt.

§. i.