Band 
Zweyter Jahrgang.
JPEG-Download
 

925

stehen, daß wenn derjenige , der bey ihnen die Stelleder Obrigkeit vertritt, sich pöbelhaft und unvcrnehmlichausdrückt, jeder Zuhörer eben das Gefühl hat, alswenn er diesen Patrizier in Bauerskleidern erblickenwürde ; insonderheit wenn er noch hinzudenken kann,daß derselbe seine eigene Sprache nicht besser als diefranzösische spricht. Doch wäre sehr leicht, in der frauzö-fischen Sprache sich richtiger als die Einwohner des Paisde Vaud auszudrücken.— Wenige oder gar keine derselbenkennen solche in ihren Grundsätzen. Die grosse Gesellig-keit dieser Nation macht daß jeder sich fertig ausdrückt;aber weder mit der Zierlichkeit die von der Lebensart zuParis unzertrennlich ist, noch mit der Würbe und demNachdrucke die man weder bey Karten noch in kleinsiäd-tischem Umgang, wohl aber bey den Musen, bey Ge-lehrten , oder auch manchmal in den Geschäften lernt.In keinem Theile des Cantons würbe Wolrcdenheit undGelehrsamkeit ein grösseres Ansehen geben als bey denEinwohnern der Waadt , die gewiß jede Vorzüglichkeitan schönen Sitten und Tugenden, insonderheit an Witzund Verstand, mit cdclm Sinne verehren, und jedeUnsittlichkcit empfinden.

Die richtige Kenntniß der deutschen Sprache wäre dasbeßte Mittel, auch die französische richtig zu erlernen.

Wer sich in einer Sprache wohl zu reden geübt hat,gewöhnt sich an eine Aufmerksamkeit im Reden, die erin alle Sprachen übertragen wird; zu dem, daß, wersich in einer Sprache deutlich ausdrückt, seine Gedan-ken schon an eine vernünftige Ordnung gewöhnt hat,die, verbunden mit dem wenigen ganz Eigenthümlicheneiner andern Sprache, schon Wolredenheit ist. Auch istwahr, daß die Vergleichung einer Sprache mit einer an-dern beyden behülflich ist, und daß die grammatikalischenWahrheiten, wie jede Wahrheit, durch Entgegenhaltun-gen aufgehellet werden.