Wer selbst keine Spräche hat, wird niemals dieSchönheiten fremder Sprachen in allen ihren Reißenfühlen. Empfindungen und Begriffe haben mit den Wor-ten so viele geheime innigste Verbindungen , und es isteine solche Harmonie zwischen ihnen, daß sie beynaheunzertrennlich sind. Die Begriffe einer Nation klebe»aber so wesentlich an den Sitten, der Verfassung unddem Clima, daß das Geistige, das Verfiiegbarc einerSprache selten über die Grenzen des denkenden Theils ei-nes Volkes, und noch seltener in fremde Länder kann getra-gen werden. Fremde können diese Schönheiten insonder-heit durch Vergleichung mit ihrer eigenen Sprache empfin-den : Diefi^ Vcrgleichungen bilden den Geschmack; undnur Worte können den Geist andrer Worte aufbewahrenund fühlbar machen.
Wenn bey einer Nation, wo die Kunst eines Ra-phaels oder eines Loreggio blühen sollte, weder Pin-sel noch Farben waren, was könnte man wohl von ih-ren mahlerschen Talenten hoffen? In einem äbnlichenFall ist, in Absicht auf die Wissenschaften , eine Nationdie nie schreiben darf ohne über ihre Sprache zu er: öthen,und, bey allem natürlichen Genie , sich stets pöbelhaft,verworren und schwerfällig ausdrückt Welche Aussich-ten , welche Hoffnungen können den ruhmbegierigen Ge-lehrten begeistern, durch seinen Geist zu herrschen überNationen und Zeitalter, wenn er weiß daß jeder Deut-sche, jeder Frauzos, in der gelehrten Welt oder im Ge-spräch ihn beschämet. Darum fühlt sich der Berner oftmit Erniedrigung in der denkenden oder schreibenden Weltverleumdet , entstellt und angepackt von niederträchtigenSchriftstellern , die nicht einmal ihren eigenen Werth,noch weniger den einer freyen Nation zu empfinden fä-hig sind. Wer hat sich, ohngeachtet aller verstellten auchverleumderschen Thatsachen, an einen l'Oiseaude Mau-