Die Gottesgelehrtcn werden auch sehr oft, besondersvon Voltaire, in dem ächten Sinn der Worte der Schriftangegriffen. Darum der wahre Text der Bibel gründlichund nicht obenhin von ihnen sollte erforschet werden, umdem Ungläubigen auch hier zu begegnen.
Aus allen diesen Voraussetzungen erhellet, daß heu-tige Theologen eine gründliche Kenntniß der Ursprachender Schrift haben sollten ; auch sollten sie alle Theile derVernunftlehre und der Philosophie, worauf die Religionsich stützet, erforschet haben. Ferners müssen sie die heu-tigen Wissenschaften bestimmt kennen; ihre Mutterspra-che , auch die Geschichte ihres Vaterlands, sollen siedurchaus wissen. Die Wichtigkeit der Naturgeschichte istschon oben bewiesen worden. Was aber ist die Folgevon diesen bewiesenen Sätzen ? — Daß jeder Pfarrer allediese Wissenschaften erlerne? — Nichts weniger.
Das Korps der Geistlichkeit in jedem Staat sollte sichwie ein Heer betrachten, das für Tugend und Religionwider Laster und Unglauben im Felde steht ; und jederTheil dieser Armee sollte vorzüglich stark in Einer Wis-senschaft seyn. Dadurch, daß jeder auf seinem Postenstark wäre, würde die allgemeine Obermacht des Ganzenentstehen. Also sollte nicht jeder Pfarrer drey Sprachenwissen; aber wer die Religion durch Sprachkunde zuvertheidigen unternähme, sollte sie gründlich und verei-nigt mir historischen und kritischen Kenntnissen, und nichtobenhin und schülermäßjg kennen. Hingegen diejenigen,welche gar keine Anlage zu diesen Wissenschaften hätten,würden sich mit Naturgeschichte, mit Physik oder Ma-thematik abgeben, (als welche Wissenschaften nicht alsNebenpensa können betrachtet werden ) und sich wegender Vertheidigung der Trxtworte auf die Textgelehrtcnverlassen. So würde das Korps der Geistlichen zur un-überwindlichen Phalanx ; und so könnte auch die Reli-gion