Triebfeder der Regierung sey/ ist eine von den glänzen-den Entdeckungen im Reiche der Wahrheit / die aller-dings einer näheren Bestimmung bedürfen / um demPhilosophen einleuchtend zu seyn. Auch hatte er mitdiesen gleiches Schicksal : Denn anfangs erregte'seineNeuheit und anscheinende Fruchtbarkeit Erstaunen; al-lein bey näherer Untersuchung verlor er vieles von sei-nem blendenden Lichte / und heutzutage findet man daßer b oß mit Einschränkung wahr und in der Anwendungmancher Schwierigkeit unterworfen sey. Ein neuererPhilosoph , Herr Eberhard / hat in seiner Abhandlungüber die Principien der Regierungsformen *) vortreflichbewiesen/ daß Tugend nicht ein ausschließendes Eigen-thum der Republicken sey ; daß sie mit der Triebfederder Ehre in Monarchien oft in eins zusammenfließe;und endlich daß man den Despotismus für keine eigneStaatsverfassung halten müsse/ wie schon der deutscheSprachgebrauch zeiget/ sondern für den Mißbrauch derrepublikanischen sowol / als der mit ihm freylich naherverwandten monarchischen. Mit Recht halt dieser Schrift-steller die von Montesquieu angeführten Kennzeichender Regierungsformen für Eigenschaften die ihnen nichtim strengem metaphysischem Sinn eigenthümlich sind,weil sich würklich aus der Natur einer republikanischenVerfassung keineswegs darthun laßt / daß die an derRegierung theilnehmenden Bürger immer tugendhaftseyn / so wenig als aus dem Wesen einer monarchi-schen / daß ein Fürst und seine Minister immer ausdem Bewegungsgrund der Ehre handle» müssen. Nimmtman aber genaue Rücksicht auf die Beobachtungen wel-che den französischen Philosophen auf jenes Axiom füh-ren mußten / so wird man/ ungeachret niemand auch inMonarchien ein gewisse Art von Freyheit laugnen kann.Siehe den ersten Band seiner vermischten Schriften.
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