ist. Was that die göttliche Barmherzigkeit? Sie führtediese Nationen, ohne daß sie es wußten, den Christengleichsam zur Kirche. Unzählige Schwärme von Barba-ren , um bessere Wohnung zu suchen, mußten einandervor sich her in die christlichen Länder treiben, und sich in die-selben niederlassen, um Zeit und Bequemlichkeit zu ha-ben , von den alten Einwohnern sowohl Religion alsmenschlichere Sitten zu lernen. Es konnte nichl fehlen;eine so gewaltige Erschütterung der Länder, die Vermi»schling so ungleicher Menschen, mußte die Anbauung derVernunft, auch die Künste und Wissenschaften, die zurKultur derselben so unentbehrlich sind , über die Maassenhemmen, und nach und nach selbst über die zuvor gesit.tetcn Länder eine neue Barbarey von Unwissenheit undVerfinsterung des Verstandes verbreiten. Menschen, diedas Nachdenken verlernt, mußten durch sinnliche Mittel,dnrch äusserlich heiliges Gepränge, durch Bilder und Ge-mählde, zu religiösen Eindrücken empfänglich gemacht wer-den. Da sie selber zum Denken unfähig, und zu trägewaren, so mußten sie durch eine mit göttlicher Hoheit be.waffnete Authorität belehrt werden, was sie zu glauben hät,ten. Der Bischof zu Rom fand nun die Welt reif, seinenStuhl zum Orackel der Welt zu machen; und da die christ-lichen Prinzen seine angemaaßte Gewalt abgöttisch verehr-ten , so war das zugleich ein höchst willkommener, ge.wünschter Weg, die so ganz sinnlich geworbene Religionwenigstens dnrch Gewalt der Waffen aller Orten auszu.breiten. So wie bey dunkeler Nacht alle Farben gleichsind, so wurden alle Aussprüche jenes eingebildeten Ora-ckels, sie mochten noch so abgeschmackt und dem Christen,thun, nachtheilig seyn, mit einer gleichen Ehrfurcht ange.nommen. Der hierauf erfolgte schreckliche Verfall derReligion schien durch die überall anerkannte hierarchischeGewalt ganz unheilbar zu seyn. Wie anbetcnswürdig fin-
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