Band 
Sechster Jahrgang.
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teil in den Händen unsers Volkes, welche die liebenswür-dige Gestalt der Tugend und das Häßliche des Lasters,unter den sinnreichsten und reißendesten Bildern vor Au-gen mahlen! Sogar unsre Almanache und Zeitungsblättcrsind durch ihre moralischen Beyspiele und Anmerkungennicit selten dienlich, auch unter dem gemeinsten Volkedas Gefühl des wahrhaft Guten und Bösen auszubreiten.Daher kömmt nun die grosse sehr merkliche Veränderung,die in unsern Sitten vorgegangen ist. Das in der Seeleaufgegangene moralische Licht macht die Menschen gegeneinander zu schüchtern, als daß sie sich die rohen Ausbrü.che ihrer Leidenschaften so offenbar erlauben sollten. Manschämt sich vor sich selber und andern, ein wildes und un,ordentliches Herz zu verrathen; man möchte gern überallals ein edler Menschenfreund erscheinen, der sich gern überalles wegsetzt, was bey kleinen Seelen so gewöhnlich ist.So kann es nicht anders seyn, unser Umgang mit an.dern muß sanfter und gefälliger seyn; jede aus den Schran-ken tretende Pflicht würde uns entehren und vor uns selbstschaamroth machen; jede Pflicht der Menschenliebe wird unsum so viel leichter, weil sie durch Beyfall sowohl unsers Gewis-sens als des ganzen menschlichen Geschlechts unterstützt wird.

Allein wie wenig zureichend dieser Theil der Aufklärungseyn würde, bey einem Volk eine recht eingewurzelteund unerschütterte Tugendltebe zu bewirken, werde ichdurch das Zeugniß zwey vortrefflich weiser Männer be.weisen. Der erste ist ein griechischer Heid *), der andereein christlicher Philosoph. Jener, der Grieche, hatte inseinem Unterricht, den er einem jungen Menschen von ei.nem tugendhaften Leben gegeben, alles auf die Bahn ge.bracht, was auch die beßte Vernunft zu der glücklichstenLebensart dienliches hat finden können. Dennoch endigeter seine sonst so vortreffliche Anleitung mit dem traurigen

*) in Orst. ac! Oeinonicum.