Geständnisse: »Dessen ungeachtet wird schwerlich jemand»durch die sorgfältigste Beobachtung dieser Lehren, unsere»zu Fehltritten so sehr geneigte Natur im Zaum halten»können». — Christian Thomasius ist der christlicheW.ltweise, auf den ich mich berufe. Dieser gründlichdenkende Mann, der unter allen Weltweisen an ungeheu.chelter freymürhiger Redlichkeit wenige Seinesgleichen ge.habt, gestehet nicht ohne empfindliche Wchmuth seinesrechtschaffenen Herzens: »Daß dieses einer seiner schäd-lichsten Irrthümer gewesen, und den er noch dazu auch»seiaen Schülern beygebracht, daß die Vernunft für sich»hinlänglich sey, die ausschweifenden Leidenschaften der»menschlichen Natur zu bändigen; die Erfahrung habe»ihn eines andern belehrt, und er bitte Gott demüthig»um Vergebung dieses begangenen Fehlers *)». Ja sei-ne Ueberzeugung hievon war so lebhaft, und so deutlich, daßer behauptete: „ Die Erkenntniß der Unzulänglichkeit der Ver.»nunft, die Seele von ihren mannigfachen Krankheiten zu» heilen, sey der erste nächste Schritt zur göttlichen Gnade».
Dieses nun führt uns auf die Betrachtung desjenigenhellen Lichtes, welches wir in Erkenntniß Gottes und gött-licher Dingen gemessen. Man kann mit Recht behaupten,daß die Herrlichkeit Gottes in. unsern Tagen mit einemgedoppelten Glanz erscheine. Seine wunderbare Regie,rung hat es so geleitet, daß die Menschen Werkzeuge,Mittel und Wege finden müssen, ihren so unaussprechlichgrossen Urheber naher in seinen Werken kennen zu lernen.Wie erstaunen wir über den entdeckten weiten Umfang desHimmels; über die Menge der in diesem Ocean sich re-gelmäßig bewegenden Sphären; über ihre weise Verbin-dung und Beziehung auf einander! Was für unbekannteWunder müssen wir in diesen unzählig grossen Wohnplä.tzen vermuthen! Ist nicht schon das, was wir zunächst
*) Vitr UrsmM, in Uiüorl» xkiloloyliic» eriticr.