Band 
Sechster Jahrgang.
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scheu, nicht bey Cynsten, nein, nur bey unvernünftigenund wilden Thieren Platz finden könne: Wenn der Prie-ster nur auf den Trieb reinster Menschen- und Christen«liebe hineilet, wo er Menschen wider Menschen, Brüderwider Bruder, Christen wider Christen im Streit, Haßund Feindichast verwickelt steht, und da nur durch dieWorte, Lehren und Beyspiele des göttlichen Weltversöh«ners, Aussöhnung zu stiften, oder Freundschaft, Per,traulichkeit und Eintracht samt allen ihren seligen Folgeneinzupflanzen sich bemühet: Wenn der Priester sich nichtscheuet hinzugehn, wo Elend seufzt und Armuth schmach-tet, sondern sein sussestes Vergnügen findet, wenn er indiese Stätte des Jammers entweder thätliche Hülfe oderdoch den Balsam des Trostes hinbringen kann: Wenn derPriester wahrnimmt, daß das Laster bald schleichend,bald mit frecher Stirne um sich fresse, und Sittlichkeit,Religion und Wohlstand zu zerstören anfange, und er mittreffenden und schreckenden Farben die Schändlichkeit undSchädlichkeit des Lasters zu schildern, dem Strom desUebels Schranken zu setzen, und jeden, wer er sey, aufden Pfad seiner Pflichten mit Standhaftigkeit und Be-scheidcnhcit zurückzuführen sich Mühe giebt: Wenn endlichder Priester seine Worte und Lehren mit dem hinreissen-den Beyspiel eigenster Befolgung und Ausübung bekräf-tigt , und den Grundsätzen der Wahrheit das Geprägeigenster Ueberzeugung aufdrücket: Ja, wenn der Priesterso redet, so lehret, so handelt, so würkct, o wie muß dadie wahre Religion verherrlichet, wie verehrungSwürdigmuß da der Stand des Priesters, wie blühend muß derStaat, und wie glücklich jedes einzelne Mitglied desselbenwerben; und wie tief muß die spitzfündige Klügeley dcSZweiflers und nichts glaubenden Genfer-Bürgcrs, und je-des andern Religionsspölters beschämt und zernichtet wer-den. Und wie angenehm muß es mir, wie angenehm