Es ist keine Kunst in der Welt die Ihr nicht auch «rwäh»le», keine Wissenschaft die Ihr nicht auch studieren, keinehrlicher Erwerb zu Sem Ihr nicht auch erwachsen, keinunschuldiger Lebensgenuß zu dem Ihr Euch nicht auch sogut als ein Mensch in der Welt den Zutritt eröfnen kön.nct. Es ist nämlich keine Art von Verdiensten, die IhrEuch nicht je nach Fähigkeit, Rath der Menschen, und Lei-tung der Vorsehung, zu erwerben befugt seyt. Bey unSist, Gott Lob! kein erblicher Adelstand. Ein jeder ächterEydgenoß, ein jeder unsrer Bürger ist von edelm Her»kommen oder Stamm. Es steige in jeder Brust bey die»sem Gedanke ein froher Dank zu Gott empor!
Indeß, ihr geliebte junge Freunde! habt Ihr zu allenVorzügen itzt meistens erst das Recht, den Zugang, dieHofnung und Anwartschaft. Daß Ihr aber auch denBesitz, den Genuß, die Erfüllung guter Wünsche und Hof-nungen erreichet, wer muß da das Erste und Beßte undLetzte thun? In Wahrheit, niemand anders, als, mitGott, Ihr selbst.
Ihr, Ihr habt jeder die allgemeinen Gaben, gesundefünf Sinne, Denkkraft, Gedächtniß, Vernunft, Gewis-sen , Entschlicssungskcast und Ausübungskräske in verschied,nem Maasse; und bann noch jeder etwas von eigenen An»lagen zu besondern Geschicklichkeiten und Vortrefflichkeiteni» Euch. O Gott! Wie manches fängt in diesen und denabwesenden Söhnen meines Vaterlands sich an zu regen!Und wie manches schläft noch!
O Jüngling, Lehrling der Weisheit und Glückseligkeit!Erwecke die Gabe die in dir ist! Fang' an dich zu fühlen;erkühne dich zu denken, und bemächtige dich des ersten undder nächstfolgenden Grade menschlichen Wohlseyns: Seytugendhaft, und stelle dich in einen festen Stand, es blei-be» zu können! Schau empor au deinen Schöpfer undVater. Schau empor, und schau frey und weit und nahe