Band 
Sechster Jahrgang.
JPEG-Download
 

mit zehnfacher Mühe allein lernen müßte, was gütige El-tern unv Lehrer mit einfacher, angenehmgeselliger Müheuns weit geschwinder lehren.

Und rückt nun das reifere Alter heran, wo eigener Triebso gut werden kann, wie ich vorhin davon geredet habe —da machen nicht selten einiche erste Uebungen des Stu.dierens, die nicht ungclungen blieben ; warme Wahrneh-mungen von vermeyntlichrn, mit unter wol einigen wirk,lichen Fehlern derer unter denen man steht; witzige Ein-fälle von Kameraden, Lektüren die der jugendlichen Lei,denschaft schmeicheln, u. s. f. daß der Knab' und Jüng.Hing alles selbst besser und am Beßren weiß, fast alle An-weisung für entbehrliches und drückendes Joch , und jedesVerbot für eine Art Tyrannie ansteht. Wenn dieser Wahnum sich greift, wenn die junge Sinnlichkeit überschlägt —und wer ist ohne Erziehung und Unterweisung im Standes zu erwehren? — so ersticken die guten Triebe gleichanfangs ihres zarten Entstehens, oder werden serbend,wo ste die beßten Blüthen und ersten Früchte bringen soll-ten. Gesetzgebung und Unterricht ist allen menschlichenGesellschaften unentbehrlich; aber heilsame Vorschriften,einen bestimmten Jugendunterricht in schicklichen Stunden,in angemeßner Progreßion und an bestimmten Stellen zuempfangen; mit einem geziemenden Betragen und Gehor-sam , und Rechenschaft geben bey Lehrern die stch ei-gens der Belehrung und Bildung der Jugend gewiedmethaben, und von den Vätern des Staats gewählt, mitAutorität und Ehre, mit innerlichen Verdiensten, Gelehrt-heit und Liebe bekleidet sind, die ste zu den Söhnen deSVaterlands hinneigt — dießfällige weise Vorschriften, sag'ich, erleichtern jede Erlernung, gewöhnen den Menschenan Ordnung, befreyen ihn von den Hindernissen seinesFleisses, ersparen ihm tausend Thorheiten, Schmerze»und Verdruß, gewöhnen ihn ßch etwas zu versagen, und