Band 
Fünfter Jahrgang, 1748.
Entstehung
Seite
134
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Nach welcher Ratichius Anno 1571 den 18Oclobr. zu Wilster im Herzogthum Hollstein,ohnwcit Glückstadt, gebohren, und 16;^den -7 April im 64sten Jahre seines Altersan einem Schlagbaß zu Erfurth verstorben,und sein entseelter Cörver in Begleitung derAcademie, auf Kosten seiner grossen Wohl-thäterin, der verwittibten Gräfin zu Schwarz-burg , Annen Sophien, geb. Prinzcßin vonAnhalt - Zerbst, in die Barfüßer- Kirche all-da zur Erden bestattet. Er ist bekannt we.gen seiner viäsLtic, oder neu - erfundenenLehr-Kunst , wie die Sprachen, Künste undWissenschaften leichter, geschwinder, richti-ger , gewisser und vollkömmlicher, als biß-hero geschehen, fortzuvstanzen find. Er hataber dieß sein Geheimniß weder in seinemLebenjemand geoffenbart, noch auch auf seinemKranken - Bette, da er durch einen Schlag-guß an der Zunge so wohl als an der rechtenHand gelähmt worden, seinem besondersguten Freunde , Herrn l). Meyfarthen, sogerne er auch, dem Bezeigen nach, gewollt,weder mündlich noch schriftlich entdecken kön-nen. vl.) Caspar Jenken , Rector derSchule zu Wesel , einige der vornehm-sten Umstände des merkwürdigen Le-bens und gewaltsamen Todes NicolaiDrabicii, eines im vorigen Seculo inMähren gewesenen Evangelischen Pre-digers, 1746. Sem Vaterland war Mäh-ren , und nachdem er in aller Gottseligkeitund Christlichen Tugenden war erzogen wor-den, war er tüchtig, daß man ihn rüiS inseinem Vaterlande ms Predig-Amt berief.In diesem seinem Amte hat er die Lehre desEvangelii rein und lauter getrieben. Weiler aber die Ebre seines Heylandes wider dasPabstthum gesucht auszubreiten und zu ret-ten , und sein Amt mit vielem Eifer verwal-tet, so wurde er 1628 auf Befehl des Kay-sers Ferdinandi il. von den Spanischen Sol-daten ausgeplündert und ins Elend vertrie,den. Er begab stch nach Ungarn in desFürsten Ragoczy Gebiete, und brachte gan-zer Jahre sem Leben in gröster Armuthund Dürftigkeit hin. Was er von den Er,

scheinungen, die er des Nachts gehabt, selbstschreibet, lassen wir dahin gestellt seyn. ImJahr 1671 wurde er als ein Gefangener un-ter dem Vorwand des begangen Verbrechensder beleidigten Majestät nach Preßburg ge-führt- Die Jesuiten suchten ihn von seinemGlauben abzuleiten , er widersetzte sich aberihren Anschlägen aus allen Kräften. Undda ste nichts ausrichten konnten, nahmen stenach ihrer blutgierige» Art den Scharfrichterzu Hülffe; da dann der 19 Iul. zu einemGerichts-Tag anberaumet, und das blutigeUrtheil an ihm folgender Massen vollstrecketworden : Auf dem grossen Platz waren et-liche hundert Kayserliche Soldaten postiret.Nachdem nun das Urtheil abgelesen und derStab gebrochen ward, übergab Drabiciusseinem Diener, von dem er stch vorher aus-kleiden ließ, seinen Pitschier-Ring, bedanktesich für seine treu - geleistete Dienste , undließ durch ihn seinen Freunden und Bekann-ten sagen, er hielte es für eine sonderbareGnade GOttes, seine Lehre mit seinemBlute zu bewähren. Diese Rede bewegtedes Dieners Her; so rührend, daß er über-laut geweint und jämerlich gethan; woraufsein Herr ihm zugesprochen : weine nicht,was GOtt versehen , das muß gesche-hen. Wandte sich um und trai zum Stock,und betete ein wenig, aber still. Daraufsagte er zum Scharfrichter : Macht euchbereit, nahm fein Gebet - Buch in die linkeund legte die rechte Hand auf den Stock.Nachdem solche abgehauen war, wurde ihmeine nasse Blase auf die Wunde gestoßen,damit er sich nicht verbluten möchte. Hier-auf schnitte man ihm die Zunge aus, undnagelte sie an den Pranger, und dieses muß-te er noch selbst mit ansehen. Nun fieng eran für Mattigkeit auf die rechte Seite zusinken : er wurde aber bald von einem Hen-kers-Knecht bey seinen grauen Haar-Lockenergriffen und wieder aufgerichtet; da indessender Scharfrichter den blutigen Streich füh,rete, und ihm mit dem Schwerdt den Kopfabhieb. Hierbey blieb es nicht, jvndern derenthauptete Cörper nebst Hand und Kopf

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