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Beyträge zur nähern Kenntniss des Schweizerlandes / Von Hs. Rudolf Schinz, Pfr. zu U...
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Und ovschon man vast in allen Thälern Italiensbewohnte Gegenden findet, welche die Sonne einigeWochen im Jahr, wegen der Nähe sehr hoher Ge-birgen nicht beschetnt, wo der Winter 8 Monatdauert, und der Schnee 5 Monate Ellen hoch liegenbleibt, so find doch die Mündungen der meisten die-ser Thaler gegen Mittag, fie stoßen an die tiefern Ge-genden der Seen, und haben eine so vortheilyafteLage gegen die Sonne, daß der Schnee in gelindenWintern keinen einzigen Tag bleibt, daß die Erde niegefriert, und man in allen Monaten des Wintersdas Feld bauen kann.

Und wie es in der deutschen Schweiz, und ebenso auch in der ebenen Lombardey um Maylandherum häufige Nebel giebt, welche Tage und Wo-chenlang die Sonne verdüstern, so find diese herge-gen um die Mündungen dieser Bergthäler sehr selten;Ich sahe zu Luggaris während meinem dortigenAufenthalt in zwey ganzen Jahren niemals keinenNebel, da doch dieser Ort am Anfang des Langen-Sees liegt, und in der Nachbarschaft die Magadiner-Ebne hat, welche sehr sumpficht ist. Auch die Uferdes Lauiser-Sees find vast durch den ganzen Winterhell, und die Nebel und düstere Tage höchst selten;die aus den Thälern vast beständige Zuspielung fri-scher und kälterer Luft mag wohl eine Hauptursachdieser Merkwürdigkeit seyn.

Um den Unterschied der Wärme und Witterungzwischen der deutschen und italienischen Schweiz ge-nauer zeigen zu können, wählte ich Luggaris undZürich zu den Beobachtungen, welche ich anstellenwollte, theils weil diese beyden Orte mir am bekann-testen und bequemsten gelegen waren, theils weil ichEer fie