Buch 
Sittenlehre in Fabeln und Erzählungen für die Jugend : Nebst einer Abhandlung über die Frage: Sind die Fabeln eine Uebung für Kinder, oder sind sie es nicht? / mit Kupfern von J. R. Schellenberg
Entstehung
JPEG-Download
 

I2H

»Rur meine Rübe Ach im Pflanzenreich ssselten,z,Als in dem Lhierreich ist ihr unvergleichlich Pferd!

Die Welt ist voll von Gebern, die so denken , *)

Und eine Kleinigkeit mit grossem Pomp uns schenken!Auch Kinder üben gern sich im Geschenkespiel,

Was besscrS als man gab, ist groß und kleiner Ziel.

Der

*) Diese Fabel gründet sich auf eine wahre Ge»schichte. Ein Bauer, bei welchem Ludwig derXl., als er noch Dauphin war, oft Früchte gees-sen, erschien vor diesem Monarchen, nachdemer den Thron bestiegen hatte, und machte ihmein Geschenk von einer Rübe aus seinem Gartenvon ungeheurer Grösse. Der König empfiengsie mit Güte, und ließ dem Bauer eine Sum-me von tausend Thalern ausbezahlen. AI? devHerr des Dorfes von dieser Freigäbigkeit Nach-richt bekam, glaubte er sein Glük wäre gemacht/wenn es ihm aelänge den König zur Annahmeeines seiner würdigeren Geschenkes zu bereden»Er begiebt sich aa den Hof, und anerbietet demKönig ein sehr schönes Perd ; der König nihmtes mit den grösten Gewogenheitsbezeugungen an;und nachdem er selber das Pferd sehr gerühmthatte, fügte er hinzu:Man hole mir meineRübe seht, sagte er, hier ist eine Rübe, ei-z,ne der seltnesten in ihrer Art, so gut als eueti,Pferd. Sie kömmt mich theuer zu stehen; iOL,gebe sie euch, und schönen Dank dafür.»