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fort. Gerard von Vries, dessen ausgebreiteter Ruhmdie meisten Studierenden nach Utrecht lockte, wür-digte ihn, seiner vielen Geschäfte ungeachtet, einervorzüglichen Freundschaft. Nicht nur durfte Estherseine Privatkollegia, in welchen von Vries mit ausser-ordentlichem Beyfall die cartesianische Geisterlehrewiderlegte, und seine wöchentlichen Disputlerübungenbesuchen, sondernder Professor gab ihm allein beson-dern Unterricht im Naturrecht und in der Politik, je-doch unter der Bedingung, daß Escher kein Kolle-gium über das positive Recht anhöre, "weil, sagte„Vries, mit einem an das Vorurtheil des Ansehens„gewöhnten Jüngling nichts anzufangen ist." DieserUnterricht, bey welchem hauptsächlich die vortreff-lichen Werke des Grotius gebraucht wurden , daurteoft , statt einer, zwo Stunden, und der Schüler er-warb sich zugleich richtige Begriffe von der hollän-dischen Verfassung und Staatsklugheit , weil Vriesdie allgemeinen Grundsätze immer auf seine eignenMitbürger anwandte. Auch lernte Escher dabey dieholländische Sprache, und mußte sich, um dem Pro-fessor ein Genüge zu thun, sogar mit der GeschichteHelveticas näher bekannt machen ; denn es wurdenihm öfter Fragen über die Schweiz und ihre Verfas-sung zum Beantworten vorgelegt. Da sein Vater imAnfang des Jahrs 1(97 verlangte, daß er eine öf-fentliche Disputation m Utrecht halte, so wählte erauf Anrathen des Professors von Vries, als ein eifri-ger Republikaner, die Freyheit des Volkes zum Vor-Wurf derselben. Sein erster Versuch gelang sehr gut,und Vries wollte, aus Besorgniß, das Eigenthüm-liche und Naive dieser Abhandlung möchte verlorengehen, nicht zugeben, daß Grävius ihren Styl ver-bessere, ungeachtet er selbst solches zuerst vorgeschla-gen hatte. Sie erschien also im Druck unter dem