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D. Joh. Georg Zimmermann, Königl. Großbrittannischer Leibmedicus in Hannover, von der Erfahrung in der Arzneykunst
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ii. Buch

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der Gelehrsamkeit und dem Einflüsse

derselben auf die Erfahrung.

I. Kapitel.

Von der Gelehrsamkeit überhaupt.

Ä)an versteht durch Gelehrsamkeit überhaupt bettInnbegrif aller der Theile der menschlichen Erkennt-niß, welche wegen ihres Umfangs und ihrer Wichtig-keit verdienen in Schriften verfaßt, und nach eigenenMethoden vorgetragen zu werden. Die Gelehrsam-keit des Arztes ist der Innbegrif von dem, was andereAerzte den Menschen vor Krankheiten zu bewahren,und diese zu kennen, zu lindern und zu heilen, ge-sehen und erzählt haben.

Die wahre Gelehrsamkeit verdient den Namen vonWissenschaft, Sie ist mehr eine Fertigkeit des Ver-standes, als ein Werk des Gedächtnisses, weil einsehr mittelmäßiges Gedächtniß zureichend ist, sobaldman mit Verstand und unverdrossenem Fleisse studiert.Wir erwerben diese Art von Gelehrsamkeit, wenn wirdie Fähigkeit und den Willen haben, theils durchdas Lesen, theils durch den Umgang mit wahren Ge-lehrten das Wahre zu suchen. Man bemühet sich ge-lehrt zu werden, weil man vermittelst der Gelehrsam-keit durch andere lernt, was man durch sich selbstnicht lernen kann. Die Dinge, die andere erzählen,sind uns eigen, andere Begriffe, verweben sich mitunsern Begriffen und scheinen in uns selbst erzeugetzu seyn, wenn wir gelehrt sind.