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D. Joh. Georg Zimmermann, Königl. Großbrittannischer Leibmedicus in Hannover, von der Erfahrung in der Arzneykunst
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viertes Rapitel. 6z

des Quecksilbers weit übermögenden Fällen zu helfengefunden; sondern wie er in derselben auch alles schonbeschrieben und empfohlen sah, was die neuern Ge-heimnißkrämer in Absicht auf die Methoden und dieMittel wider die Lustseuche eigenes zu haben lügen.

Alle Krankheiten sind uns nicht einmal dem Namennach bekannt; ihre Anzal ist so groß, daß sich derbeschäftigteste Arzt nicht schmeicheln darf, er habe siealle gesehen. Es können auch in einem Lande sehrwohl beschriebene, aber in diesem Lande nicht berkannte Krankheiten erscheinen; sie raffen eine MengeMenschen weg, die Regierung wendet sich an diePracticos, die Practici an ihre Erfahrung, das Ora-kel ist stumm, und oft giebt ein junger Arzt die Ant-wort. In gemeinen Fällen kommt freylich, wie Hip-pocrates schon gesagt hat, die Unwissenheit des Arz-tes so wenig an den Tag , als die Unwissenheit einesSteuermannes, wenn das Meer still ist und die Win-de gut sind. Aber bey schweren Gewittern lernt manden Steuermann kennen.

Die Vortheile der Gelehrsamkeit sind so beträcht-lich, daß jeder gewissenhafte Arzt gezwungen ist geslehr zu seyn, so bald er weiß, wie er es seyn soll.

IV. Kapitel.

Von dem eigentlichen Charakter der Gelehr-samkeit des Arztes.

d^ur wenige Gelehrte sind wahrhaftig gelehrt. DieKenntniß der meisten verhält sich wie das Gold indem Schranke eines Geitzigen. Es würde nützlich inbessern Händen, in diesen liegt es todt.

Man muß die Gedächtnißgelehrsamkeit (Lruch'Uon)von der wahren Gelehrsamkeit (Kienes) sorgfältig