Buch 
D. Joh. Georg Zimmermann, Königl. Großbrittannischer Leibmedicus in Hannover, von der Erfahrung in der Arzneykunst
Entstehung
Seite
68
JPEG-Download
 

ä8

Zweytes

Buch/

Hieserr grossen Geist zu bewundern. Die einen erwei-terten seine Schriften durch ihre Auslegungen, dieandern zogen sie in kleine Handbücher zusammen. Alleschienen entschlossen lieber mit dem Aristoteles unddem Galenus zu irren, als mit einem andern dieWahrheit zu finden; lieber wie schwache Rathsherrenganz der Meynung ihres Bürgermeisters zu folgen,als selbst eine Meynung zu haben.

Endlich kamen die Chimisten. Aureolus PhilippusTheophrastus Paracelsus Bombast von Hohenheim,ein Schweizer aus dem Canton Appenzell, ein großerChimiste, ein Wundarzt und ein Sternnarr, erfrechtesich eine ganz neue Arzneykunst auf die Ruinen deralten zu bauen. Er verbrannte öffentlich in Bafelvon seinem Lehrstul die Werke des Galenus und desAvicenna. Er sagt in seinem ersten Buche vo'n derPest, man finde bey den Alten nichts, das uns wahr-haftig helfen könne, weil sie die Cabale und die Ma-gst, und folglich auch der Krankheiten Ursprung nichtverstunden. Er schämte sich nicht in seinen Schrif-ten sich zu rühmen, Galenus habe aus der Hölle anihn geschrieben, und er selbst habe in ihren Vorhöfenmit dem Avicenna disputirt. Seine Einbildung warso sehr verwirrt, und sein Hirn so sehr zu den pöbel-Haftesten Grübeleyen aufgelegt, daß er alle Hexen-geschichten, alle Thorheiten der Astrologie, derPunctirkunst, der Chiromantie und der Cabale an-nahm , und seine Lerniünger sogar versicherte, erfrage auch den Teufel um Rarh, wenn Gott nichthelfen wolle. Keine dumme und abgeschmackte Er-zählung ist zu erdenken, die Paracelsus nicht geglaubtund gepriesen. Er hielt die monatliche Reinigungder Weiber und sogar ihren bloßen Anblick in diesemZeitpunkt für den grösten aller Gifte, und schrieb indie Welk hinein, der Teufel erzeuge aus diesem Gifte