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D. Joh. Georg Zimmermann, Königl. Großbrittannischer Leibmedicus in Hannover, von der Erfahrung in der Arzneykunst
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278
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-78 Viertes Buch/

Seele, in diesen Ueberbleibseln des Alterthums vonaller übertriebenen Wendung, und von aller Versletzung des WolstandS entfernt tft.

Voll lebender Kräfte wirft ein Mann von Genieseine Blicke um sich her. Voll Unerschrockenheit aufseiner Laufbahn macht er alle mögliche Verbindungen,weil er das Ganze umfängt; er bringt unumstößlicheWahrheiten aus dem Ganzen heraus, weil er seinenZusammenhang übersteht. Also ist der ein Mann vonGenie, der groß und frey, und mit begeisterter Ver.uunft allenthalben gegenwärtig, in einer gegebenen Feitmehr als andere empfindt und begreift, seine Begriffeam geschwindesten und richtigsten verbindt, und durchdiese Verbindungen eine beträchtliche Anzal entfernter,grosser und lichtvoller Wahrheiten sindt.

Wer sehr viel Verstand und doch nicht Genie hat,macht diese Verbindungen mühsam, ein Mann vonGenie leicht und geschwind. Aber wie mehr sie leichtsind, mit desto grösserer Klugheit müssen sie gemachtseyn, und darum bedarf, wie Bacon sagt, das Genienicht Flügel, aber Bley.

Nach diesen Grundsätzen begreift man, warum derUnterschied kleiner und aufgeklärter Geister grösser ist,als der Unterschied zwischen gewissen Menschen undgewissen Thieren. Mit wenigen und kleinen Gegensständen beschäftigt, hat ein kleiner Geist einzele undnur wenige Begriffe, und dünkt sich groß in dieserWenigkeit. Mit vielen und grossen Gegenständen be.schäftigt, hat ein aufgeklärter Geist viele und allgesmeine Begriffe, usid kläret sich immer mehr durch ih,ren Zuwachs auf. Ein kleiner Geist begreift nur ein-zele Wahrheiten und verachtet die allgemeinen , weil sievon seinem Gesichtskreise zu sehr entfernt seinen Augenunerreichbar sind. Darum hat ein kleiner Geist vordem aufgeklärten Geiste unendliche Vortheile, weil er