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D. Joh. Georg Zimmermann, Königl. Großbrittannischer Leibmedicus in Hannover, von der Erfahrung in der Arzneykunst
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281
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erstes R a p t r e l. sgr

che mehr Einbildungskraft als Verstand fodert, scheintmir das Genie der Dichter und der Maler; die Artvon Genie, welche mehr Verstand als Etnbitdungs.kraft fodert, das Genie der Naturlehrer und der Ma-thematiker; und die Art von Genie, die gleichviel Ein.bildungskraft und Verstand fodert, das Genie desStaatsmanns, des Generalen und des Arztes. Manweiß, daß die eine dieser Arten mit der andern verbun.den seyn kann; es giebt Genies, die, wie Haller,iine Welt in sich fassen, und für alles gemacht sind,die, wie Bacon, die Künste weissagen, und, wieNewton, sie offenbaren.

Ich habe in dem ersten Kapitel dieses Werkes ge-zeiget, daß der Verstand entweder nach einfachen undgewissen, oder nach vielen, verwickelten, wankendenund ungewissen Grundsätzen schließt. Jenes geschiehtin der Mathematik, und zuweilen in der Physik; die-ses in der Staatskunst, in der Kriegskunst, und inder Arzneykunst. Die Begriffe fliesten in dem erstenFalle von selbst, sie werden in dem zweiten geschaffen.Man gelangt darum zu den einen dieser Wissenschaf-ten und Künste geschwinder, als zu den andern.

Der Preis der Arbeitsamkeit kommt mit den beglück-ten Gaben der Natur in keine Vergleichung. Alles,was nur Gedächtniß und Fleiß fodert, die Geschichteder natürlichen Körper und ihrer Wirkungen, und selbstin den Künsten die unerheblichen Nebenumstände, dielezte Ausführung eines Bildes, werden dem Genie ab-gerechnet, weil man sie dem Fleisse zuschreibt. DurchGedult und Arbeitsamkeit lernt man bald das kleinein der Mathematik, und auch endlich das grosse. Hinsgegen thut bey einer Kunst, die sehr oft auf blossenWahrscheinlichkeiten ruht, und in welcher der guteAusschlag von der Gefchicklichkeit abhängt, den höch-sten! Grad dieser Wahrscheinlichkeit schnell zu fassen,