28s viertes Buch,
Gedult und Arbeitsamkeit das wenigste, das Geniedas meiste.
Eine Kunst ruht sehr oft aufder blossen Wahrschein,lichtest, wenn sie nicht für alle Fälle unumstößliche Re,geln hat, wenn es nicht angeht, einer gewissen Vor,schrift in allen Fällen zu folgen, wenn der Geist, ohnegenugsam unterrichtet zu sey» , handeln muß , alswenn er es wäre, wenn er nach sehr veränderlichenUmständen allein sich richten kann , und vielmehr derWahrheit sich nähert, als sie erreicht. Die Staats-kunst, die Kriegskunst, und die Arzneykunst sind vonDieser Art.
Die Geseztheit des Geistes, ohne welche man nie-mals mit Klugheit nach den Umständen sich richtet,ohne welche man dem Widerspruch ausgesetzet und derBesonnenheit beraubt ist; diese Stärke des Geistes,welche durch den Verstand die Einbildungskraft bindt,Die in allen Umständen des Lebens den Geist vor allerFurcht, Ausschweifung, Unbedachtsamkeit und Ueber-eilung verwahret, und welche diejenigen, die von demGenie nur dichterische Begriffe haben, dem Genie ab,laugnen, herrscht in dem Genie des Staatsmanns.Ohne dieses Genie hätte einen Pitt, wie der Herrvon Moser vortreflich gesagt, die Weisheit, die Ge,Dult, die Geschmeidigkeit des Geistes nicht belebet,mit der er das Glas voll jährender Säfte so eben trug,daß es nie überloff.
Die Fertigkeit mit einem Blicke alle möglichen Fällezu fassen, das Beste nach der äußersten Wahrscheinlich,keil mit Besonnenheit zu sehen, und feuervoll zu thun,find in einem Feldherrn von der ersten Grösse das Werkdes Genies. Eine aüzukluge Langsamkeit und eine all-zubehutsame Wahl der Umstände und der Zeit sind zu,weilen nicht »«beglückt, aber sie sind auch oft die grösteHindernis des Glückes, das man plötzlich ergreifen,