Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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448 Giotto.

Lssux- Hrts von iZoz. ein damals in Paris leben-der Baumeister genannt.

* Giotto, auch Angiolotto und Am-broqrorro genannt. Die äusserst glücklichenAnlagen dieses alten Künstlers, besonders die ihmeigenthümliche Grazie, welche sich schon in seinenfrühesten Werken offenbart, entwickelten sich soschnell, daß er nicht nur die damaligen Maler, son-dern auch seinen Meister Cimabue in kurzer Zeitübertraf, und, wie Dante (?ur§at. 0 . XI.) sagt,den Ruhm desselben gänzlich verdunkelte. AuchBoccaccio, Saccherri und Petrarca ertheiltenihm die größten Lobsprüche, und letztrer legirternsAnifloo Domino suo, kalluano: Iconein 6.V. Marios, operisFoctü, picwris s§re§!i, oujuspulokirituciinern ignorantes non intsIÜAUNt, n>a-sistri antem artis stupent (Oper. ssä. öasil.i58l.1.IH, p- rr6.). Dieser ausserordenliche Mannbeschränkte sich nicht auf die Malerey allein; ertrieb mit gleichem Glücke die Mosaik, dieSculp-tur und die Baukunst. Auch war er ein ausge-zeichneter Miniatur- und Bildnißmaler. VieleSchriftsteller schildern seinen Einfluß auf die bil-dende Kunst seiner Zeit so, als ob nach ihm garnichts mehr in der harten und trocknen Manierseiner Vorgänger zum Vorschein gekommen wäre.Dieses Urtheil ist merklich übertrieben. Immerhinaber verdankte ihm dieselbe unendlich Vieles wegenseines natürlichern Faltenwurfs sowohl als wegendes Ausdrucks, der Weichheit und Grazie seinerBilder, hauptsächlich aber, weil er sich zuerst anVerkürzungen wagte, deren Darstellung nachhervon Paolo Uccello durch die darauf angewandtenRegeln der Perspektiv vervollkommnet wurde.Durch alle diese Verdienste erwarb er sich den schö-nen Namen eines Schülers der Aarur. SeinRuhm verbreitete sich bald auch auswärts. Etwurde von Pabst Bonifacius VIII nach Rom ein-geladen, und arbeitete für ihn, neben Anderm,in Miniatur, gemeinschaftlich mit Oderigi ausGubbio. Viele Gründe machen es unwahrschein-lich, daß er hierauf zu Clemens V. nach Avignvngegangen seyn sollte, wie vasari behauptet. Fio-rillo 1 . 264—67. Don seinen übrigen Schicksalenerzählt dann auch Lanzi Mancherley (I. 16. 23.352. 58 «. — I>. 5 . 255 - 389 1 >- 2- n. 28. 215).Er hinterließ mehrere Schüler, von denen wiederGenannten an seinem Ort Erwähnung thun wer-den. Dann finden sich in dem Kapital des Klo-sters der Camaldoleser, St. Maria degli Angeli zuFlorenz, Gemälde von Ordeusbrüdern, die dieseKunst in des Giotto Schule erlernt hatten-/LAcorr Disr. ital. 0 . 25.). Zu seinen vorzüglich-sten Werken gehören: Das bekannte musivischeWerk seiner Navicella in Rom, welche von N.Deatrizet (dieses sehr selten) I. B- Cavaleriis, undspäterhin auch für die Roma subtsrranea und8piegS2ioni stelle 8culturs e kitturs 8acre ge-stochen wurde; dann verschiedene Geschichten vonSt. Francisk von Afflsi; in Florenz einige Fres-kogemälde, eine Begräbniß der H. Jungfrau,welche sich früherhin die Bewunderung von Mi-chael Angelo, und seither von Mengs erwarb,itzt im Besitze des Lamberto Gori, und in derhckruria pittrioe (Nab. IX.) von Lasinio, nach Ge-wohnheit dürftig genug abgebildet ist; ferner seineGeschichten Jobs in Camposanto zu Pisa (diesevon seiner frühern Arbeit); die evangelischen undapocalytischen Geschichten in St Chiara zu Nea-pel (wohin der König Robert in 1325. ihn einla-den ließ), und von denen es heißt, daß Dante ihmdazu die Gedanken geliehen; dann seine vorzüglichgut erhaltene Freskoarbeit im Oratorium dell'Annunziata all' Arena zu Padua, welche ganzdie ihm angestammte verbundene Grazie undGröße athmet*): bey St. Anton in Bologna eineTafel, welche mit iVls^ister tle k lorentia

unterzeichnet ist; Mehreres von ihm noch übrig

n) Wohl dasselbe was bey LVrrgh eine Kreuzigung, »in einer Kapelle hinter der Kanzel ru St. Anton in

Giotto.

gebliebenes zu Navenna u s. f. Lanzi (i. beson-ders I. 16-13.) ckann daher dieses alten Kunst-lichts Verdienste nicht genug erheben, und sagt,neben Anderm: „Wenn Cimabue der MichaelAngelo dieses Zeitalters war, so kann man denGiorro dessen Raphael nennen, so verschönerte sichdie Kunst unter seinen Händen. Eine seiner erste»Arbeiten war eine Verkündigung bey den PP. diVadia; hier ist freylich der Styl noch sehr trocken,aber schon eine Grazie und ein Fleiß, welchernoch weit größere Fortschritte verkündigt: Richti-gere Symmetrie, lieblichere Zeichnung, zarteresColorit. Jene spitzen Hände, jene Füße auf denZehen, jene stieren Blicke- die noch an den soge-nannten griechischen Geschmack des Miktelalterserinnerten, fielen weg. Und die Ursachen davondarf man — zwar vornämlich in dem großen Geniedieses Künstlers, doch nicht einzig darinn suchen.Offenbar muß er frühe die plastischen Werke desAlterthums, von denen schon einige auch in Flo-renz standen, studirt haben (von seinen Modellensah man noch etliche zu den Zeiten Loren; Ghi-berti's): Darauf deuten seine männlichen Köpfe;seine Formen die sich soweit von der Dünnheitderjenigen seiner Zeitgenossen entfernen; sein Ge-schmack in wenigen, natürlichen, großen Falten;seine anständigen, gesetzten Stellungen, und, wieirgendwo bemerkt wird — selbst seine Fehler, eingewisses Etwas Statüenmaßiges, das er freylichvielleicht auch von Niklaus und Johann Pisanigelernt haben mochte, und noch bisweilen an einerziemlichen Trockenheit, an dem Verbergen der Füßeunter langen Röcken, in den Mangeln an den Extre-mitäten, u. s. f. wohl sichtbar genug ist, Wie sehrer seinen Meister übertreffen, zeigen seine schonoben angeführten Geschichten von Franz d'Affisi;und ebenso, wie er beym Fortrücken dieses Wer-kes in der Kunst stets zugenommen, in schöner,bisweilen unübertreflicher Komposition zumal;wie er dann zugleich eifrig bemühet war, seineArbeiten auch mit hübschen Beywerken, von nach derWeise des Zeitalters, zierlich gefärbten — andresmale mit so blendend weissen Gebäuden, wie vonparjschem Marmor zu siaffiren. In jenen Geschich-ten des H Francisk bewundert man, neben An-derm, den Ausdruck eines Durstigen, den Raphaelnicht besser hätte malen können. In kleinern Fi-guren war er übrigens noch glücklicher, als in dengrößern; so in seinen grazjösen, äusserst vollende-ten niliiiaturähniichen Gemälden in der Sakristei)des Vatikans (Geschichten von St. Peter undPaul u. s. f.), und zu Santa Croce in Florenz.Eben so schien die Kunst, gute Bildnisse zu malen,von ihm entstanden zu seyn; Ihm haben wir diewahren Abbildungen von Dante, Brunctto Latini,Corso Donati u. s. f. zu verdanken. Auch diemusivische Kunst hatte sehr durch ihn zugenommen;so in seiner schon genannten berühmten (jetzt durchzweymalige Restauration in seiner ursprünglichenGestalt ganz unkennbar gewordnen) Navicella imPorticus hon St. Peter. In wie weit er dieeigentliche Miniatur verbessert habe, scheint nochungewiß zu seyn. Desto sicherer aber, daß er sehrerfahren in der Architektur war, wovon nochjetzt der nach seiner Zeichnung erbaute merk-würdige Glockenthurm von St. Maria del Fiorezu Florenz den Beweis giebt. Eine Beschreibungdesselben s. bey Milizia (D 6 . terrc. I. 143 ) wobeysällig auch von seinem Künstlerwitz folgendeAnekdorte angeführt wird. Als er eines Tags vonKönig Robert den Auftrag erhielt, in einem Ge-mälde das Königreich Neapel vorzustellen, malteer kurz und gut einen beladencn Esel, der eineandre Last vor den Füßen liegen hatte, die er zubeschnarchen, und damit anzudeuten schien, daßer letztre statt derjenigen aufzunehmen wünschte,die er schon auf dem Rücken trug. Endlich s. aucheinige Urtheile über ihn, in der Schrift: Winkel-mann und sein Jahrh. S. 219. 251. zio. 311.

,'e die Kriegsknechte um Christi Gewand das Loos werfen,padua, heißt.