Valenciennes.
solche bey den meisten Künstlern dieser Gattungerscheinen, dnrch ihre stäte Wiederholung ihr An-ziehendes verlieren. Daher verlor sich dieser Künst-ler mit Lust in den Gegenden und Epochen derVorwelt, und öffnete sich dergestalt eine neueQuelle von Erfindung, welche durch die Zeitent-fernung ihres Gegenstandes um so viel mehr In-teresse gewann. So verschönerte er seine Bil-der mit großen Erinnerungen, und schuf jenenheroischen Styl aufs Neue, der seit Poußin —freylich deswegen vielleicht verlassen ward, weilman verzweifelte, die hohe Bahn desselben zu be-treten. Ohne nun gerade nach Poußins weit-schichtiger (?) Manier zu haschen, in einem minderernsten Style, fing Valenciennes an, seine Land-schaften mir solchen Zügen aus der Geschichte zuzieren, welche ihnen neues Leben und Interesseertheilen könnten. Schon als die ersten Arbeitendieses Künstlers erschienen waren, machten sieden lebhaftesten Eindruck, und die Akademie beei-ferte sich, denselben die Gerechtigkeit wiederfahrenzu lassen, welche ihnen gebührte; seither vermehr-,ten sich seine Schöpfungen immer, und jedesmalübertraf er sich selbst. In dem gegenwärtigen Jahrnun verschönerte er feine Landschaft mit Auftrit-ten, die sich unserer Zeit näher anschliessen; aberimmer erkennt man darin den Adel seines Styls,die Zierde seiner architektonischen Staffirung, denReichthum des Ganzen, besonders aber seine Zeich-nung und die Zierlichkeit seiner Figuren." Dannbeschreibt der paufirnias jene schon erwähntenBilder des Innern eines Waldes, und des Brun-nente inkens, an welch letzterm unser strenge Kunst-lichter nichts auszusetzen weiß, als eine allzugroßeEinförmigkeit des Blatterwerks. „ Sonst " (fügter hinzu) »herrscht darin ein wärmerer, wahrererTon, und mannigfaltigere, auffallendere Licht-effekte, als in manchen anderen seiner Werke.Die Fernen sind reich, und verlieren sich sehrgut." Endlich spricht er noch von einem dritten,welches ein Mädchen darstellt, das im Wald aneinem Baum seinen Namen findet. »Welch einAugenblick für die Liebe und die Eitelkeit"! Be-wundernswürdig sey darin der naive Ausdruckvon beyden, die sinnreiche Manier der Beleuch-tung , die schönen Lichteffekte, und der Schimmer,den der Glanz eines herrlichen Sommertages überdas Ganze ausstreut." (Wahrscheinlich dasselbeBild, welches oben der Sonnenuntergang heißt),»valenciennes" (heißt es dann weiter in M eussel's Arch. II. 4- 18—19.) »den man als dasHauptlder jetzigen Französischen Schule" (verstehtsich in seinem Fache) betrachten kann, ist erhaben(?)und voll Adel in seinen Vorstellungen; seine Com-positionen sind verständig und graziös, und,wenn seine Bilder etwas zu wünschen übrig las-sen, so findet es nur von Seite der Farbe statt,die mitunter grau und kalt ist; auch könnte manbey ihm mehr Festigkeit in der Ausübung" (imPraktischen) „verlangen." *) — Als Mitglied derPolytechnischen Gesellschaft zu Paris, gab unserKünstler (wie wir oben bereits von Lands» ver-nommen haben) eine Schrift, welche, untermTitel: Der Ratbgeber für Zeichner und Ma-ler in dem Fache der Landschaftsmalerey,u. f. f. schon I8o3. von I. H. Meynier in'sDeutsche übersetzt, mit 36. Kupfertafeln und An-merkungen versehen, in zwey Theilen zu Hof imDruck erschien, und, nach dem Urtheil von Ken-nern, andern ähnlichen Vorschriften bedeutend vor-zuziehen war. Dasselbe trug auch (nach seinereigentlichen Bestimmung) den zweyten Titel:praktische Anleitung zur Linear- und Luft-perspektive für Zeichner und Maler, <Preis2 Lhlr. 8 Gr.). Aus dem Werke selbst erfährt
Valentin. ^97?
man, daß v. zu Abfassung desselben, weil er sei-ner eigenen Feder nicht genugsam vertraute, sicheines jungen Gelehrten und Künstlers, Eroze-Magnan (der zugleich sein Schüler war) bedienthakte, valenciennes lebte noch 1814. wo er aufdem Salon desselben Jahrs, so wie andere Künst-ler , von seinen ältern Arbeiten neuerdings aus-stellte.
* valens, s. oben und im Lex. Falens,und unten, s. v. vanfalens einen Zusatzartikel.
valenti p. Uberti. So schrieb sich ei-gentlich der fahrende Italiener, dessen in gegen-wärtigen Zusätzen s. v. Huberri Erwähnung ge-schiehet. Nach ihm hat I. F. Roth das Dild-niß des Abtes Beda ven St. Gallen gestochen. **)
*valentianus (Vinc. Victoria), s. im Lex.und unten vitroria.
Valentin (Gottfried), ein von Leipzig ge-bürtiger und auch dort seßhafter Maler, der mder letzten Hälfte des XVII. Jahrhunderts, undauch noch um 1700. lebte. Derselbe machte sichberühmt durch fleißig und trefflich gemachte Jag-den, Geflügel, Thiere, Gewürme, Stilleben, u.drgl. In dem Vorsaale der Rathsbibliothek sei-ner Vaterstadt findet (oder fand) man eine großeAllegorie von ihm, die irdische Eitelkeit vorstel-lend. Man erblickt darauf ein Gerippe, was aufeinem Clavicorde spielt rc. rc. Einige schlechteKupferstecher haben nach seinen Zeichnungen undGemälden gearbeitet; aus welchen Blättern abersein Werth nicht zu entnehmen ist. Diese Stecherwaren I. C- Böcklin: Die Abbildung einigerMumien zu Kettner's Abhandlung äs üüumiisseg^ptlsc:i8 1694. I^ipsiss 4°; und wohl ist esdasselbe Blatt, was man auch in Kettner'suns. Ü.IP8. 1703. 8° findet. Dann I. G. Göbeldas Titelkupfer zu Chr- Ph. Richter's veeisioneszuris variss III. kruncok. i68g. iol. Romstedt:Bildniß des Gottesgelehrten Val. Frieden«.
— — (Hubert). Nach einem solchen (ob etwanach dem obigen valenti p. Uberti?) soll I.E. Hayd das Bildnjß von Georg Walter abEberz geschabt haben.
— — (Johann) Maurermeister, und GeorgHamann Zlmmermeister, baueten 1692. die abge-brannte Kirche St. Petrus und Paulus zu Görlitzwieder auf. Einige lOachrich. v. den Inscrip-tionen, welche in den Anspfen d. Thürmeder Rirche zu Sr. Perr. und pauk. befind-lich, vonD. Brückn er (Görl. 1789. ein Bogen).
* — — (Moses), nicht Peter, wie er beyLanzi wohl durch Verwechslung mit einem an-dern (italienischen) Maler Valentin heißt. Sei-nen Tod setzen Einige erst in 1634. an. „Ganz"(heißt es bey Fiorillo III. 162—63.) „denGrund-sätzen des Carravaggio getreu, bestrebte er sich,nur das Individuelle in der Natur knechtisch nach-zubilden, ohne seine Modelle durch Auswahl,Zeichnung und Phantasie zur Runst (?) zu adeln.Daß er aber, wie einige Französische Schrifstellec(dann auch von Männlich) behaupten, durchausgemeine und niedrige Gegenstände, wie Wirths-häuser mit Spielgesellschaften, Soldaten, Musi-kanten, Zigeunern u. drgl. vorgestellt habe, ist»»gegründet; sondern er malte auch, theils fürItalien, theils für Frankreich" (und Deutschland)»verschiedene aus der H. Schrift entlehnte^Sce-nen, wobey er jedoch das Costume vernachlässigt,und z. B. in einer Verläugnung Pctri, zu Cluny,die Soldaten Karten spielen läßt, und in einem,
-) An einer andern Stelle eben dieser Zeitschrift (l- ,) urtheilt einer von valenctenne s Landsleuten,
freylich etwas früher, von ihm: »Was ich von ihm gesehen, war sehr mittelmäßig, und verrieth den ge-priesenen Meister nicht.
») Ich sechst hatte die Grille, mich von ihm in meinem Achtzehnten, gleich nach überstandener Pockenkrankheitganz abscheulich coutrafepen zu lassen; und meine Narben wenigstens waren wie lebendig.
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