Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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2008
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2008 Vanvitelli.

nicht allein seiner Kunst, sondern auch seiner, inder Geschichte, den Controversen (?) u. s. f.bewanderten gelehrten Kenntnisse, und seinessanften, biedern und großherzigen Charakters we-gen allgemein hochgeschätzt, 1726. Man kann ihn denSchilderet- des neuern Roms nennen. Seinedurch ganz Europa verbreiteten Bilder enthaltenAlles, was dort mit Pracht gebaut worden,und sind daneben mit landschaftlicher Staffirungausgeschmückt. Auch kennt man ähnliche Dar-stellungen anderer italienischer Städte, Seehavenund Landhäuser von ihm. Alles sehr nützlich fürstudirende Maler und Baumeister. In Aufrissenund Maaßen war er sehr genau, in der Ausfüh-rung angenehm, und im Colorit helle; in derLandschaft dürfte mehr Geist und Mannigfaltig-keit, und seine Lüfte weniger blaß, und nicht somit röthlichen Wölkgen gefleckt seyn. In Deutsch-land besitzt von ihm, unsers Wissens, die einzigeGallerie zu Schleisheftn das kleine Bild einerLandstraße, mit Gebäuden, Bäumen und Fi-guren. Eine schöne Ansicht von der Stadt Romund der Tiber von seiner Hand, im Kabinet desEnglischen Esq. P. Burrel, hat P. Benezech ge-stochen. Dann auch M. Morin, für

den Verlag des Th. Major, eine Ansicht vonBethune.

* Vanvitelli (Ludwig) des Obigen Sohn',welcher im Lex. unter dem Art. seines Vaters er-scheint. Bewahrt scheinenden Nachrichten seinesSchülers Brenna zufolge, geb. (nicht zu Neapel,sondern) zu Rom 1700. Schon als sechsjähri-ger Knabe zeichnete er (als Schüler seines Va-ters) nach der Natur; von seinem Zwanzigstenan malte er in Fresko, wie j. B. in der Kapellebelle Reliquie in St. Cäcilia zu Rom, wo manüberdies auch ein .Bild dieser ^Heiligen in Delvon ihm findet, welches er für den KardinalAcquaviva malte; Anderes in St. Bartholomaoda Bergamasschi, und im Suffragio zu Viterbo.

- Alsdann studirte er die Architektur unter PhilippIuvarra. Der Kardinal von St. Elementeführte ihn nach Urbino, um den dortigen PallastAlbani zu restauriren, und eben daselbst bauteer die Kirchen von St. Francesco und St. Do-minicus. Mfttlerweile erwarben ihm seine frühenVerdienste schon in seinem Sechsundzwanzigstendie Stelle eines Architekten von St. Peter zuRom, wo er, neben diesem Berufe, viele Ge-mälde für die Mosaiker copirte. Als Freundund Gefährte von Salvi führte er mit demselbendie Baute der Wasserwerke von Vicino aus.Dann concurrirte er auch mit 21. andern fürdiejenige der Fa^ade von St. Johann Laterans.Einer von ihm hinterlassenen Handschrift zufol-ge wurden seine eingereichten Risse, nebst einemvon Salvi, allen Andern vorgezogen. Indessenhabe man den Papst glauben gemacht, daß dieUrtheile der Akademiker von St. Luca (wo jeneZeichnungen noch alle aufbewahrt sind, wovonMilizia, Lllir:. ters. It. 3 bc>. einen anschauli-chen Begriff giebt) getheilt seyen, und am Endedie Palme doch eher dem Florentiner Galilaigebühre , der solche auch erhielt; so wie hinge-gen Salvi, zum Ersatze, die Fontana dp Trevi,und der Unftige den Hafen von Ankona.^ Auchdieses Werk wird von (Milizia 1 . c. naher be-schrieben, wobey, neben Anderm, bemerkt wird,

Vanvitelli.

daß er für den Gebrauch der Pozzolana bey denFundamenten vergebens geeifert habe. Wahrendder dortigen Arbeiten gab er auch viele Zeich-nungen für allerlei Bauten zu Rom (wie z. B.für eine Reparatur von St. Giesu und St. Au-gustin), zu Maccrata für die Kapelle della Mi-sericordia, zu Perugia für die Olivetaner-Kircheund Kloster, zu Pesaro für die Magdalenakirche,zu Siena für St. Augustjn *), was nachmalsvon Andern verdorben wurde. In 17^5. wurdeer nach Mailand'berufen, wo er für die Fa<;adedes dortigen Doms einen Entwurf gab, derzwischen dem Gothischen und Griechischen Ge-schmack die Mitte hielt, und aber, wegen desmittlerweile ausgebrochenen Kriegs nicht zurAusführung kam. Borrari bürdet, wie esscheint ziemlich unzuverläßig, ihm die Gebrechenjener eisernen Reife auf, welche die Gefahren derKupole von St. Peter verhüten sollten, und giebthinwieder, eben so zweydeutig, die Ehre vonandern Sicherungs-Vorrichtungen, theils an demgleichen Werke, theils an dem Obeüske der Guirlia, dem bekannten Nick. Zabaglia, wo hingegendie erste dem Unsrigen, die zweyte Carl Fontanagebühren dürfte. In dem Heiljahre 1750. leiteteLudewig die Verzierungen an der Tribune beySt. Peter, eine neuartige Beleuchtung der dortigenKupole, die Zurüstung zu einer Heiligsprechung,die Funeralien der Ep-Königln von England,und den Transport der Pieta von M. Angelo.Auch für die Carthause zu Rom (ein wirklichprächtiges Gebäude, von welchem Benedikt XIV.zu sagen pflegte, die dortigen Mönche hätten,für wenig Geld, aus einer Scheune eine großeBasilica geschaffen) hatte Vanvitelli noch aller-ley Verschönerungen angerochen, welche aber vonden sparsamen Ordensbrudern nicht genehmigt wur-den. So nahm der Ruf des unermüdeten Künst-lers von Tag zu Tag zu. Mehr erwähnterMilizia l. c. 2S4. u. ff. zählt seine mannigfal-tigen Arbeiten, hauptsächlich zu Neapel **),für den dortigen Hof ^sowohl als für Partiku-laren auf***); hauptsächlich aber spricht er mitverdienter Ausführlichkeit von der wichtigsten sei-ner Bauten, nämlich dem Lustschlosse zu Caserta.Der erste Grundstein dazu wurde am 20. Jan.1760. gesetzt. Unter den Denkpfenningen, welcheman dergleichen beyzulegen pflegt, befand sichauch einer des Baumeisters, mit der Jnnschrift:

8tet Oomns et 8c>IIum, eh 8c>boles Lorbo-nies, lloriee

^ll superos xropris vl laxis die rollest,den er selbst also übersetzte:

Da ArZia, ii Xo/io, i/ Aeai rrZAn,

DÄrc/rs re ia z-rLtra r/ 80/ ,-weZM.

Ein schöner Tag für ihn! Milizia, der inseiner Beschreibung wirklich nachgelesen zu wer-den verdient, kann von diesem großen Werkenicht genug Rühmens machen, von dem er sagt,daß solches aus keinem Zeitalter, und unter kei-nem Volke kaum seines Gleichen habe ^). Vor-her giebt er Ludwigs Kunstcharacter im Allge-meinen also an: »Ein uncrmüdet fleißiger Zeich-ner, verständig in der Ausspendung, Einrichtungund Verzierung aller Theile des Ganzen seiner

»-) Cochin I. 225. sahe sie -746. noch nicht ausgebaut, und nennt den Gedanken davon schön.

«») Dahin wurde er 1750. von König Carl m. in der Eigenschaft seines ersten Architekten berufen.

nn-"') Dahin gehört die Herstellung der Hauptfacade des Königlichen Pallastes in der Hauptstadt, welche sehrbaufällig geworden war; die neue Kirche dell' Anunriata, die sich sowohl durch ihre Regelmäßigkeit, alsdurch ihre merkwürdige Bedachung auszeichnet; das Gebäud für die Kavallerie bey der Magdaleneubrücke,und die große Baute auf dem Platze del Spirito santo. (Aus Handschrift!. Nvtizzeu seines SchülersBrenna).

-f) Die Zeichnungen dazu ließ Vanvitelli -756. von Rochus Pozzi auf -4. große Bl. stechen, und eignetedas Werk dem König und der Königin zu. Daß er auch den Königl. Pallast von Capo di Monte in derVorstadt von Neapel erbauet habe, ist wohl ein Quid pro Quo bey Cochin I. »97-