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schichtschreiber desselben/ in gemessener Kürze zuunserm nähern Führer Wahlen. Nach einer allge-meinen, 12 S. langen Einleitung führt er, (B.I.) auf — nicht minder als 62 S. von Luca t)ac-ciolo (i 5 og.) an, bis hinunter auf den geistvollenLanzi, 77- Schriftsteller an, welche des da vin-cischen Abendmals Erwähnung gethan, und be-urtheilt und berichtigt die Nachrichten derselben(ob durchaus gründlich?) immerhin nicht seltenlehrreich. B. II. dann enthält (S. 74-125)«ine ausführliche Beschreibung des Bildes, undzwar von jeder Figur insbesonders mit größterUmständlichkeit; von dem Schauplatze der Hand-lung , von der Tafel und den übrigen Stassirun-gen, und endlich von einigen Gebrechen desselben.B. III. S 127—88. führt alle Copien, Kupfer-stiche und Nachahmungen des Abendmals auf,mit einer, wie wir glauben nicht immer unpar-theyischen Beurtheilung derselben. Was aus die-sen drey ersten Büchern für uns dienlich seyn kann,soll unten am schicklichen Orte folgen. B. IV.handelt vörderst von der Zeit, in welcher Lionardodieses große Werk gefertigt habe. Bossi glaubt,daß er dafür so viele und ungefehr dieselben Jahre(1482—98) wie für die Nitrerstatüe des HerzogenFranz verwenden mochte. Hierauf bestreitet un-ser Schriftsteller (S. 190-96) die gewohnte Be-hauptung so Vieler, welche wähnten, daß dasAbendmal in Fresko gemalt sey*). Nicht nurwar Lionardo unter seinen Landsleuten einer derersten, welcher**) der Oelmalerei den Vorzug vorallen andern, und seinen Oelen durch allerley Di-siillationen die möglichste Klarheit gab; sondern(mehrerer geschichtlicher Zeugnisse der ältestenNachrichten überfein Werk nicht zu gedenken'-**)setzen einige noch erhaltene Stellen desselben, ebenso wohl als hinwieder andere sich losgesch eilte,es über allen Zweifel hinaus, daß dasselbe aufdie trockene weisse Mauer-f-) in Oel gefertigtwurde. Auch die Natur der Grundirung desAbendmals, welche Bossi genau untersucht, be-weise das nämliche. Nun folgt (S. 197—201)die Herzählung der mannigfaltigen Ursachen desVerderbens dieses einst so bewundernswürdigenWerkes. So wie überhaupt Boffi über jeden sei-ner Gegenstände möglichst weit auszuholen pflegt,so geschieht es auch hier, und datirt er nämlichdie erste Epoche jenes Verderbens von anhaltenden— Regengüssen, welche - 493 - die niedrigen Re-viere von Mailand, also namentlich auch diejeni-gen, wo das Kloster alle Grazie gelegen war,mehrere Palmen hoch unter Wasser gesetzt-j-f'),wodurch die Mauer des dortigen Refektoriumszuerst die schädliche Feuchtigkeit gewonnen hätte,die da Vinci'« Bilde späterhin so tödtlich ward;dessen nicht zu gedenken, daß demselben die nächstanliegende Küche und Speisekammer, und dermit rauchenden Gerichten so reichlich besetzteSpeisesaal selber eben nicht sehr vortheilhaft seyn
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konnten. Hiernächst glaubt er, daß bey der baldhernach ausgebrocheuen Pest sowohl, als wahrendden bis in die Hälfte des XVl. Jahrhunderts in derLombardie fürdaurendeu Kriegsunruhen die Mön-chen vielleicht ihr Kloster von Zeit zu Zeit verlassen,oder wenigstens die in Ehrenhaltung seines baulichenZustandes merklich vernachlaßigt hätten. Somiterklärt er sich, wie Armenini Lionardo's großesMeisterwerk, 5 a Jahre nach dessen Vollendungschon halb verdorben nennen« bald nachher (i 566 ).vasari nichts mehr als (methaphorisch) einenglänzenden Fleck, und Lomazzo noch die bloß«Zeichnung daran erblicken konntenEben solauteten die Urtheile und die Klagen der folg. Zei-ten: Des Dominikaners Garrico gleich zu An-fang des XVII. Jahrhunderts; dann des Kardi-nal Friedrich Borromaeo, der nur noch eineReliquie zu sehen glaubte, welche er aber so hochverehrte, daß er davon (1612—16.), mit Nach-hilfe der damals noch vorhandenen Original-Car-tons durch Andreas Bianchi die bekannte Copieverfertigen ließ, die noch itzt in der Ambrosia»«zu Mailand ersichtlich ist ; hierauf des KartbausersBarrholemaeo von Sien«, der in 1624. eineandere Copie des Oggione höher als das Urbildin seinem damaligen Zustande schätzte; und Gca-nelli's, der (1642.) von den Figuren nur nochwenige Spuren, und zumal Köpfe, Hände undFüße fast ganz vernichtet fand. So machten sichbald hernach (1662.) die Mönche, als sie denEingang in ihren Freßsaal majestätisch vergrößernliessen, um so viel minder daraus, Christus undeinem großen Theil seiner Apostel — die Füßerein wegzuschneiden, das übrige durch Häm-mern u. s. f. Verdorbene, durch wer weiß welcheStümper ritoccircn zu lassen, und dergestalt, nunauch durch Menschenhände, zum völligen Unter-gänge von da Vinci'« Kunsitriumph den erstenGrund zu legen*) — als späterhin noch ein großesStück durch Annageln des Kaiserlichen Wappen-schildes bedeckt wurde, der, nach ^ichardsonsZeugniß, bis nahe an den Christuskopf reichte.Als nun im XVIII. Jahrhundert an dem ver-stümmelten Werke bald nichts mehr zu verwüstenstand, anerbot sich (1724. ». ti. 26.) ein sonstvonjedermann, außer den Dominikanern alle Grazie,anerkannter Stümper, Michel Angel» Belor-ri**), durch irgend eine geheime Kunstvvrrichtung(die er nachwerts diesen — auch am Geist ge-schorenen Herren in der Gestalt eines Firnissesfür — 5 oo Livr. hinterließ) das vincianischeBild von Todten zu erwecken. Alsdann schloßer sich mit demselben in einen hölzernen Verschlagein, überkleckste hierauf dasselbe kurz und gutvom Kopfe bis zu den Füßen, und ein geringerUeberrest heiliger Scheu ließ das Einzige unange-tastet, was die Zeit selbst nie verheert hatte ***).Dieses neue Machwerk setzte, als es itzt mit Pompaufgedeckt ward, durch seinen frischen Farben-
«) Der einzige (grillenhafte) Requeno spricht von gefirnißter Leimfarbe, der ha Vinci sich gerne bedienthabe, ohne jedoch des Abendmals besonders zn erwähnen.
«») Sey es immerhin, ohne genügsamen Grund!
««») S. besonders unten dasjenige von M- Bairdello.
4 ) So viel wissen wir von da Vinci selbst, daß er nur auf sehr weiße Mauern zu male» pflegte, weil dieReflere desto schöner erscheinen, je weisser der Grund sey.
44 ) Hinten nach wurden solche für die Vorbedeutung der in 1494. erfolgten Ucberschwemmung der Lombardiedurch — die Franzosen gehalten.
444 ) So der erstere im Leben des Hieronymns da Carpi.
K) Somit verglich Torre (1674.) in seinem Ritratto di Milans da Vinci'» Abendmal, bildlich fastnoch zu schön, mit der untergehenden Sonne.
s"-) Die eigentliche Kunstgeschichte (so dunkel ist er) thut seiner nicht einmal Erwähnung. Ergoß er sterbend(1744-) seine Reue wohl in dem Schooß seines Beichtvaters?
»n») Den Himmel, der durch die Wandöffnung bricht,scheu Pflastern.
Doch auch dieser blieb nicht ganz frey von den Belotti-
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