Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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Zv46 Vince.

glänz/ eine Weile nicht bloß den Pöbel von Mai-land , sondern auch fremde und einheimische Halb-kenner unter den Reisebeschreibern u. s. f. in jenesangenehme Erstaunen, welches man so oft derMittelmäßigkeit williger, als dem wahren Ver-dienste zollt. Bald aber sah man dasselbe von ei-nem neuen Dunkel überzogen, den es wohl geradedem Belottischen Heilmittel zu verdanken hatte;und eben so bald wurden neue Berathschlagungeneiner abermaligen Auffrischung gepflogen. Einzwar eben nicht großer, aber doch rechtschaffenerKünstler, de Giorgi, hatte einen dießfälligenAntrag, zu seiner unverwelklichen Ehre abgelehnt;endlich nahm ein anderer, von dem damaligenGubernator zu Mailand, Grafen von Firmian *)empfohlener, gewisser Mazza es auf sich, demAbendmal den letzten Todesstreich zu versetzen **).Die wenigen noch übrig gebliebenen alten Krustenwurden weggekratzt, oder mit einer Grundirungvon Umber- und Ockererde überzogen, und dannmit Mazza's schaamloser Kunsiarbeit bedeckt***),der, durch einen zufällig eingetretenen Convents-Prior, Paul Gallom^), bloß noch verhindertwurde, seine Verwüstung auch auf die drey letztenApostel, Matthäus, Taddäus und Simon aus-zudehnen, welche indessen bereits von BelottiUnheils genug erfahren hatten. Dem GeneralBuonaparre dann gebührt die Ehre, daß er allediese krautigen Schicksale des da vmcischenBildes hoch zu Herzen nahm, und 1796. ehe erzu Pferde stieg, noch auf dem Kniees) den Be-fehl unterschrieb, daß das Refektorium alle Graziein genaueste Obhut genommen, und namentlichmit aller militärischen Einqnartirung sollte ver-

Vince.

schont werden; allein dieser Befehl blieb bald her-nach von einem andern (ungenannten) Oberbe-fehlshaber so wenig geachtet, daß die heiligeStätte nun gar in einen — Pferdestall-f"^) ver-wandelt, und mit Schimmel und Salpekerblütheüberzogen wurde. Was dann in noch neuererZeit, zur Vergaumung weiterer Verwüstung desLokals und des Bildes selber (wäre solche je mög-lich gewesen) gethan worden, war immerhin löb-lich*), ist aber, hier zu erwähnen, ganz unnütz.

Zu einiger Erholung von dieser Verwüsiungs-geschichte des da vmcis'chen Abendmals werdenvielleicht unsere Leser nicht ungerne einige beschrei-bende Zeugnisse von dem hohen Werthe desselben ,aus denjenigen Zeitpunkten vernehmen, wo es,wo nicht in seiner ganzen ursprünglichen Herrlich-keit, doch erst in den frühern Epochen seiner Ver-weisung, noch immer bewundernswürdig genugwar. Der erste, welcher, freylich in wenig be-deutenden Floskeln, hauptsächlich den Ausdruckdesselben rühmet, war der Frate Luca pacci'olovon St. Sepolero in seinem löog. ans Licht ge-tretenen Traktate: <i« äivins Proportion« Et-liche andere nächstfolgende sind in ihrem allgemei-nen Preise noch unbedeutender, bis auf MatthäusBandello, der in der Zueignung einer seiner No-vellen**) an eine Fürstin Gonzaga zwar das Bildnicht beschreibt, aber dafür, als Augen- undOhrenzeuge***), erzählt, welche unglaublicheMühe sich der Künstler gegeben, sein Werk wür-dig zu fertigen: Wie er noch während der Arbeitalle Kritiken darüber willig angehört; oft'f') vonanbrechendem Tag an bis jur Abenddämmerungden Pinsel nie aus der Hand gelegt, Essen und

--) Was fast für denjenigen unglaublich ist, der nicht bloß die großherzige Denkungsart» sondern namentlichauch den achten Kunstgeschmack des Grafen zu kennen, Gelegenheit hatte.

«:-) Florillo nennt schon die Belottische Restauration desselben letzte Oelung.

Bossi erzählt ausführlich den dießfälligen Aerger aller Kenner, und namentlich auch des geistvollen —Thiermalers stondonio, dessen Ingrimm der Verfasser gegenwärtiger Zusätze, aus persönlicher Bekannt-schaft mit ihm, sich, wie lebendig, vorstellen kann.

-f) Der abgetretene Hyacinth CNttaneo war nämlich, in der Zwischenzeit, als Lehrer der Gottesgelehrtheit(wie es wohl auch mit dieser aussehen mochte?) nach Turin berufen.

-j-f) 1'e-r- p porre u. a. dabey gegenwärtiger Personen.

414 ) Rlescwetter I. 316. Not. >8-

Und eine dießfällige Inschrift des Bischofes Stephan Bonsignori von Faenza über dem Eingänge, (alsGrabfchrift eines der berühmtesten Werke bildender Knnst) wirklich lesenswert«):

^nuo kegni Ilslici III. Ilsl. piorex

pictursm koecke -lilat-eiilemparierinis rekeolis cxcullis sb i'llrerilu sclseruilMagiis wolilus »ck opus eximiirm pc>;:erirsn prorogsockum.

Letztere Zeile (was Sossi freylich nicht zu bemerken vergißt) spielt auf das Mosaik an, welches damals,nach seiner, auf des H. Viceköniges Befehl, gefertigten Copie, von dem Künstler Jakob Raffaelle sollteausgeführt werden. Seltsam ist es indessen, gerade von diesem Zeitpunkt, in dem Münchner-Litteraturund- Runs!-Anzeiger von 1309- Nr», vm. S. 43—44 aus einem Schreiben aus Mailand zu lesen,was folgt. Nachdem bemerkt worden, daß der Saal, worin „dieses 9 Ellen breite und 7 fr Ellen hohe, inOel auf die Mauer in lebensgroßen Figuren gemalte Bild" steht, so eben ausgebessert, und mit Fensternund Laden versehen worden, heißt es dann weiter: „Ob es gleich — in den verschiedenen Epochen, welchees überlebte, viel gelitten hat, ist es doch noch ziemlich gut conservirt, und nicht, wie einige vorgaben, ganzzu Grunde gerichtet; vermuthlich haben es diese Erzähler garnicht gesehen. Die Farben, dieGestchtszüge,das Spiel der Muskeln, die Kleidung, die Drappirungen, alles regt sich noch in schönem Leben. Nurdas Gesicht des Siineon, welcher sich unten zur Rechten des Heilandes über den Tisch beuget, ist etwasverblichen, und die Füsse des Erlösers und einiger Apostel sind durch Erhöhung der Thüre, auf Befehl eines ein-fältigen Vorstehers der Mönche, zu Grunde gerichtet worden. Es scheint, daß diese Herren nicht jederzeit denWerth dieses Gemäldes kannten, denn ein Zweyter ließ es sogar überweissen; doch fand sich ein Dritter, der eswieder abwaschen ließ (!)." Ferner: „Man sollte glauben, der Künstler habe seine ganze Einbildungskraftvorzüglich an den Gesichten der Apostel verschwendet; denn dasjenige des Erlösers ist, sozusagen, nurflüchtig entworfen, ohne Vollendung. Franz i. sah dieses Gemälde in seiner vollkommenen Schönheit, undwollte es nach Paris transportiren lasse»; aber die Ausführung war so vielen Schwierigkeiten unterworfen,daß es unmöglich wurde, das Kunstwerk zu entführen, ohne dasselbe zu verletzen. Die Truppen lagen langein diesem Saale, aber doch ist von ihnen das Bild respectirt worden. Ich fand nichts durch Muthwillendaran verdorben. Der Maler Sofft nimmt die Zeicbnung dieses Gemäldes, auf Befehl seiner KöniglichenHoheit des Vicekönigs, auf — eine Arbeit, die vollkommen den Talenten dieses vortrefflichen Malers ent-spricht. Nach dieser Zeichnung wird es der berühmte Rnssneüe in ganzer Größe in Mosaik nachahmen " u. s. f.,was wir nun Alles freylich schon wissen. Aber immerhin ist diese Stelle doch in verschiedenen Rücksichtenbemerkenswerth genug!

n") Th. i. Nvv. 58. — Etwa 20 Jahre nach Ln Vinci's Tod. — s) Gegen die gemeine Meinung.