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dunkeler Farbe, brennender Magerkeit, stumpferNase, Hoblern Aug und zu Berg stehenden Haarenist das Gesicht des Judas; zwischen Haß undFurcht entdeckt zu werden schwankt er in unruhigerMitte, reckt sein Ohr hin, zu horchen was Petruszu Johannes spricht, und enthüllt so sein niedrigesHasenherz, aberzugleich den Vorsatz, das namenloseVerbrechen auszuführen. Hinwieder welche pa-thognomische Kunde verräth der Künstler nichtauf dem Antlitze seines Petrus ; seine Lippen sindblaß vor Zorn; die Wangen glühen, die Nüsender Nase blähen sich", u. s. f. u. f. Alles mitMehrerm, was man eigentlich in dem schönenLatein des Kardinals lesen muß.
Hier müssen wir mir unsern Auszügen enden, dadie nachfolgenden Gezeugnisse des X VII.— XIX.Jahrhunderts theils bloße Copien der altern schonangeführten sind, theils nur die traurige Herzählungschöner Ueberreste des sich immer mehr seinemVerderben nähernden Werkes enthalten, oder end-lich, als bloße Geburthcn der Einbildungskraft,uns in die nicht mehr vorhandene Zeit versetzen,wo dasselbe noch in seiner ganzen Glorie vor denerstaunten Blicken stand*).
Wir kehren von dieser langen Abschweifung zuAmorertl's Tagebuch zurück.
Von ihm lernen wir, in Betreff des da Vinci-scheu Abendmals noch Mancherley. So z. B.daß, als Studien zu demselben, zwölf ge-malte Apostel, und das Bild des Erlösers selber,
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einst zu Rom von dem Englischen Consul Ognigekauft wurden. Mehrere Apostelköpfe in Kreidevon da Vinci'« Hand sah auch Angelica Kauf-mann in Rom, welche, erst zu End des XVIII.Jahrhunderts ebenfalls von zwey EnglischenKünstlern erstanden worden. Alles dieses dürftegegenwärtig in Englischen Kunstspelunken sich befin-den. Amorertl's Mitbibliothekar an der Am-brosiana, Musst, besaß noch 1804. gleichfalls inPastell, den Schatz des Christuskopfes ohne Bart**).
Nach Garrtco fand sich (1600.) noch überdem Portal der Kirche delle Grazie in einemHaibzirkel eine Himmelfahrt der H. Jungfrau miteinigen Engelchen, St. Dominico und dem Her-zog Ludovic auf der einen, und St. Peter demMärtyrer und der Herzogin Beatrix auf der an-dern Seite***). Nach dem Dildniß der Herzoginzu urtheilen, mußte das Ganze um i/,97. gemaltseyn.
In demselben Jahr dürfte er bey den Exequiendieser Fürstin auch seine Hand gehabt haben.
Was ihn aber damals wohl am Meisten be-schäftigte, war das Nützlichere einer Schiffbar-machung des Adda zwischen Divio und Trezzo.
Aus demselben Zeitpunkt kennt man von ihmeine Note von gefertigten Bildern und Zeichnun-gen aller Art: Bildnissen, Geschichtlichem, Land-schaftlichem, Mathemathischem, Technischem,ohne Anzeige des Bestellers, vielleicht bloß für dieeigene Lust gefertigt (darunter das Basrelief einer
?--) Indessen können wir uns doch nicht enthalten, hier wenigstens in einer Anmerkung diejenige Beschreibungbcyzudrücken, welche Lanzi sich, aus den zu seiner Zeit noch vorhandenen Spuren, von der ursprüng-lichen Herrlichkeit dieses Bildes entworfen hat. „Wohl" (sagt er) »ist dasselbe der Inbegriff alles dessenzu nennen, was da Vinci einerseits in seinen Büchern lehrte, und anderseits mit seinem Pinsel aus-führte. Bey dieser Darstellung wählte er gerade den Augenblick jener gewichtigen Handlung, welche seinemBilde das höchste Leben ertheilen konnte, wo der Erlöser zu seinen Jüngern spricht: Einer aus Euch wird michverrathen! Alle Unschuldigen der an der Tafel sitzenden Apostel sind bey diesem furchtbaren Worte, wie vomDonner gerührt; die Entfernteren hoffen, es unrecht verstanden zu haben, und fragen noch ihren Nachbar;die Andern zeigen sich, je nach ihrem verschiedenen Naturell bewegt. Dem Einen wird es fast ohnmächtig, derAndere ist bestürzt, ein Dritter erhebt sich mit einer Art von Wuth, ein Vierter scheint seine Unschuld miteiner solchen Unbefangenheit zu bezeugen, daß man ihm unschwer Glauben zustellt. Judas inzwischen steht mitstarrem Blicke da; und wie er immerhin ebenfalls den Reine» spielen will, sieht man ihm unzweifelhaft denVerräther an. Vinci hat oftmals erzählt: Daß beym Nachdenken, wie er das Gesicht einer so schwarzen Seelemalen wollte, er oft eine Strasse besucht, wo eine Menge solcher moralischen Unholden wohnten, undendlich ein Teufels-Fratzengesicht recht nach seinem Sinne gefunden habe (man sieht auch hieraus, was von denelenden Fabeln allen zu halten ist, wie dieser Kopf entstanden sey). Aehnliches habe er hinwieder gleichfallsmit Glück versucht, um schöne Formen für die beyden St. Jakobsköpfe, jeden nach seinem Charackter, anzu-treffen (was doch wahrhaftig glaublicher ist, als was ein neuerer Reisender Riesewetter 1. 217 erzählt:Lionaröo habe selbst gesagt (?) daß er die meisten seiner Köpfe von einer mit Kalk beworfenen (bloß be-rappten) Mauer hergenommen, welche seinem Arbeitszimmer gegen überstand; und nämlich hätte er dieseWand so lange angesehn, bis seine Einbildungskraft den — Flecken derselben Form gegeben, und sie zuGesichtern gebildet habe!); dann aber, nachdem er gefunden, itzt könne er kein edleres Antlitz für Christusfinden, habe er (dieß sagt uun vasari) denselben Kopf unvollendet gelassen, den hingegen Armcnini,mit so viel Andern, höchst vollendet finden will. Das klebrige des Gemäldes, das Tafeltuch mit seinen schönenFalten, das Tischgeräthc, die Architektur, das Tafelwerk, das in der Tapete im Vatikan wie ein hängenderGarten erscheint, und endlich im Ganzen die Ausspendung von Licht und Schatten, Alles war mit dem erle-sensten Fleiß, und mit einem feinen Pinsel ausgesühkt, wie es sonst keinen in der Welt giebt".
Ebenfalls zur Litteratur der Kunden und Urtheile über das Abendmal gehörig (heißt es bey MorgensternI- 595—96: «Das Durchdachteste über dasselbe finde ick gesagt in einem Aufsatz des verewigten Fernow beyGelegenheit der Anzeige von Mvrghen's damals neuem Kupferstich (rm N. Deutschen Merkur igoo,May, S. 1,7—140). Zuerst über den weise gewählten Moment der Handlung; dann über die meisterhafteAnordnung des Werks; über den charakteristischen Ausdruck der einzelnen Figuren, endlich über den Styldes Ganzen, den hohe Einfalt bezeichnet. Die Grundlinien dieser Beschreibung zeigen sich schon in seinemReise-Tagebuche vom Jahr 1794. (mitgetheilt in Fernorv's Leben, S. 201—205). Weniger eindringendfinde ich einen Aufsatz in den Ital. Miscellen (-got. B. I. S. ZZ—Z7-), überschrieben: Lisa du Vinciund sein Nachtmahl; doch ist darin Namensbestimmung jeder einzelnen Figur, nach der Lradizion, dennmit Sicherheit läßt jeder einzelne Apostel sich nicht benennen: nur bey Johannes, Petrus, Judas, Tho-mas und dem einen Jakobus ist die Sache ausgemacht. Eine gemüthliche und geistreiche Darstellung desEindrucks, den das unvergleichliche Werk im Ganzen, auch noch in seinen schwachen Resten, wenigstensbey längerer Betrachtung macht, ist !u Gehlenschlägev's Wallfahrt nach, Rom (im Morgen-blatt iglo-, Nro. 44.). Nur scheint mir der Dänische Dichter, kraft seiner Phantasie, in die Schat-renzüge des Originals, rm Verhältniß zu Mvrghen's Kupferstich, nicht ohne kleine Ungerechtigkeit gegen die-sen, mehr zu tragen, als die Zeit und Barbarey verschonten".
i'-K) Bemerkenswerth, da sich nämlich im Hauptbilde des Anfang eines Bartes findet. Matteini, in seinerCopie vom ganzen Bilde, hat den Christuskopf ohne Bart; und Winkelmann will mehrere dergleichenChristusköpfe von Lionaröo gesehen haben, Dieser Kopf in Muffi's Besitze, soll dem Zeichner Matteinizum Vorbilde für das Blatt von Raphael Mvrghen gedient haben. Der Abbe Guillon in seinen, untenangeführte« Oeascle hingegen erklärt erwähnten Kopf für nnächt.
-nr-u) Späterhin in die Sakristey gebracht.