Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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V i ne e.

Versuch machen, und selbst der sonst so erfin-dungsreiche Künstler fand kein Mittel dafür. DerMonarch, zu seiner größten Ehre, bedachte sicheines Bessern, ließ das Bild in Mailand,nahm dafür (i 5 iO) den vier und sechszigjährigcnBildner selbst mit sich nach Frankreich, und be-stimmte ihm ein Jahrgehalt von 7Z0. Scudi *).

Dort brachte er die beyden letzten Jahre seinesLebens in fast gänzlicher Muße zu. Alle Nach-richten stimmen darin überein, daß er von nunan den PinsH gänzlich beyseite gelegt; daß sichin Frankreich auch nicht ein einziges dort von ihmgemaltes Bild finde, und namentlich der Königes nicht einmal von ihm erhalten konnte, jenenaus Italien mit sich genommenen berühmten Car-ton der H. Familie mit St. Anna, als Gemälofür ihn auszufertigen. Wohl aber erhellet auseinem auf der Königl. Bibliothek zu Paris, mitN°. Z29. bezeichneten Bande da v-ncescher Zeich-nungen und Handschriften, daß er den Auftragerhielt, einen schiffbaren Kanal anzulegen , der beyRomorentin **) vorbeyfliessen sollte, wohin er sichnoch im Jan. - 5 > 8 . in Begleit des Hofes bege-ben hatte ***). Ob aber derselbe (durch ihn) wirk-lich zu Stande gekommen sey, ist unbekannt.Denn mehrere Kanäle in dortigen Revieren befin-den sich allerdings.

Meist wohnte Ltonardo zu Amboise, und bis-weilen zu St. Cloud, wo er, seinem bald untenfolgenden Testamente zufolge, seine meisten In-strumente u. a. fahrende Habe liegen hatte.

Als er, wie es scheint, bald nach erwähnterReise, etliche Monate lang (wir wissen nicht anwelcher Krankheit, oder bloß aus Altersgebre-chen?) zu Amboise bettliegerig war, und seinemnicht mehr fernen Tode, ungefähr ein Jahr ehederselbe erfolgte, entgegen sah, ließ er steh (wennwir vasari glauben wollen), noch sehr ämsig inden Sachen des Heils 'j') unterrichten, legte

-') Tiraboschi nach Baldinucci.

«") Vormals Königliche Castellaney lm Gouvernement

Vittce. I05Z

mit großer Zerknirschung seine Beichte ab, undcmpfieng die H. Sakramente/ da er sich nichtmehr aufrecht halten konnte, z.war aus Andachtaußer dem Bett, aber in den Armeu seiner Freunde,und verschied dann bald hernach itt denjenigen desvon ihm verehrten > und ihn zärtlich Liebenden Kö-niges ^). Alle dieses erzählt uns, wie gesagt-vasari, und so viele Andere sprechen es ihm nach.Noch thut der erstere hinzu: Auch in seiner letztenStunde habe er dem an seinem Bette sitzendenMonarchen über Alles, womit er Gott und Menschenbeleidigt, und namentlich auch über den Mißbrauchseiner Kunsttalente -f-f-fi) die tiefste Reue bezeugt.Dagegen glaubt Nmorerti: Aus da vmc'i'sganzer Geschichte erhelle, daß derselbe freylich keinAndächkler, aber auch kein Ungläubiger war, wo-mit sich aber gar wohl reimen lasse, daß er beymHeranrücken seines letzten Ziels sich aller weltli-chen Dinge enkschlagen und seine Gedanken ein-zig auf die nahe Ewigkeit gerichtet habe. Daßer aber auf seinem Lodbetke so viele Sünden,und namentlich einen unsittlichen Mißbrauch sei-ner Kunst zu bereuen gehabt, will Amorepti nichtzugeben, da weder seine Schriften, noch seineWerke Spuren von Unsittlichkeit verrathen, wozudoch seine schöne Figur, sein reichlicher Verdienst,und ein verdorbener Hof ihn so leicht im Lebenund in der Kunst verführen konnte *). Ein vonihm noch vorhandenes Sonne« zeuge, wenn schonnicht von einem vorzüglichen Dichtergenie, destomehr von seiner ernsten Sittlichkeit **). InAbsicht auf seine Kunstwerke laßt er indessen docheinige Ausnahme gelten. Dahin gehöre eine Leda,von welcher Lomazzo **") spricht, aber zugleichhinzuthut, was der tugendhaften Liebenswürdig-keit des Künstlers so viel Ebre macht, daß erwährend dem Malen dieser Bilder das Aug öftersniederschlug. Noch kennt man von ihm (um nichtszu verhehlen) ein kleines lascives Grupp, wovonsich die Skizze bey Gerll(1'r>b.2i.) befindet. Dannbesitzt der GrafSannazari eine ihm wenigstens zuge-

Orleannvis.

Im ehemalige» Departement Eher und Loire. S. I- D Venturt's svüterhi» unten angeführtes: L-ssi p. 40.

-s) dlelle core cskloliclie, e 6ells v>» buoiis e ssnrs rellgione crisusll».

-sf) Das Unstatthafte dieses letztem Umstandes, s. bald unten.

dioii sveullo o^ersulo oell' srrs coms «>' convenivs.

n) Auch bereits eine Note in der Römischen Ausgabe des Vasari erklärt desselben Erzählung von llionardo'sSündenbeichte für: Io6ugio sesollsloso e 6erescsbile.

"K) 6t>i von puo sjuel cl,e viiol, yuel clie putz voglis;Lbe <^uel clle von s> puo solle e i'I volere.

ssßgio e I'uowo 6s reoere,

Ode 6s <;uel cl>e oon ;>uo suo voler to^Iis.

clie ogni cliletto ooslro s 60ZÜS8ts ir> si e 00 rsper voler porere.

guel sol puo, clis col üoversKe lese Is rs^ioo kuor 6, sus so^Ii's.die sempre e 6s voler c>uel clie l'uom pole.

Lpeszo per 6o!ce c^uel clie roros smsro.kisosi gis c^uel cli'io volsi, pol cl-'Io I'ebbi.^6uoi;ue lu, letloi 6i gueste riols,

8e s le vnoi e»ser kuooo e s6 sltro csro,

Vogli semj>re ^orer <^uel clie ru 6el>lri.

Wer nicht kann, was er will, soll wollen, was er kann. Thörigt ist's, zu wollen, was man nicht kann.Für klug ist also der zu achten, der seinen Willen von letzterm abzulenken weiß.

Da nun all unsere Freude im Wissen, Wollen und Können, und all' unsere Pein im Gegentheil besteht,so weist uns die Vernunft nur auf dasjenige Können an, was mit der Pflicht bestehen mag.

Denn auch nicht immer soll der Mensch wollen, was er kann. Oft scheint uns süße, was nachher bit-ter wird. Schon mehr als einmal geweint' ich, was ich wollte, sobald ich es besaß.

Also, Leser dieser Zeilen, wenn du dir selbst gut und Andern angenehm seyn willst, so trachte immermir wollen zu können, was du sollst.

Irstisco 6eil' Lrrs 6«Ils klcmrs L. n. L. ib.

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