Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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Z0Z6 Vince.

que*): »Die Universalität seiner Talente gab ihmeine Art von Unruhe, die ihn hinderte, sich aneinem einzigen Gegenstand festzuhalten, weil eininneres Gefühl ihm zu sagen schien, daß er fähigsey, Alles zu umfassen". Dann„Geistvoll undempfindlich, wie er war, ging in der Malercy'sein vornehmstes Augenmerk dahin, die Zu- undAbneigungen der Seele auszudrücken; und wenner in diesem erhabenen Theile der Kunst späterhinvon Raphael besiegt wurde, so gebührt ihm wenig-stens der Ruhm, alle seine Vorgänger hierin über-,troffen, und eine bis auf ihn unbekannte Bahneröffnet zu haben". — „Für seine Zeit dann warer ein guter, und unter den altern Malern seinerSchule allerdings der bcßte Eoloristc, wenn gleichseine Färbung in der Carnation auf Wcinhefen,und überhaupt auf's Röthlichte zog. So vielGrazie hatte den Figuren, vor ihm, noch keinMaler ertheilt. Seine Zeichnung war rein undgenau; über die Natur erhob er sich nicht, dochahmte er solche nicht ohne Wahl nach. Wenn erdie Steifigkeit nicht ganz besiegte, welche nochder allgemeine Charackter damaliger Kunst ist,so bedenke man, daß jene Wellenlinie noch unbe-kannt war, welche immer bald gerade, baldzirkelförmig zu werden scheint, und doch keinesvon beyden wird**). Seine Arbeiten waren sehrvollendet; aber nie konnte er ganz die Trockenheitvermeiden, welche bey ihm durch die Gewohnheitnoch auffallender wurde, den Umriß allzustark an-zugeben, der sich doch gcwissermaaßen verlierensollte***). Indessen auch diese Trockenheit kannman ihm bloß in Vcrgleichung nachfolgender guterMeister vorwerfen; denn in der Parallele mit sei--ucn Zeitgenossen ist er noch fließend und markige.Dann hatten seine Bilder noch eine andere sehrschätzbare Eigenschaft, die man sonst so oft ver-mißt: Daß man nämlich seine Figuren schon ausder Entsernung reinf') erblickt". Hierauf führenund E- aus der schon einmal angezogenenHandschrift von Rubens f-f), noch ff. allgemeineBemerkung über da vince an: „Alles prüftederselbe zuerst nach den Regeln der genauestenTheorie, und machte sodann die Anwendung da-von auf das Natürliche und Wirkliche, welchesder Gegenstand seiner Künstlerischen Darstellungwerden sollte Ueberall beobachtete er das

Schickliche*), und vermied alles Gekünstelte.Jedem Gegenstände wußte er den möglichst leben-digen, bezeichnenden und angemessenen Charackterzu geben , und in das Majestätische sogar etwasGöttliches zu legen; er behielt das Maaß und dieOrdnung, welche er beym Ausgruck beobachtete,so, daß er vielmehr die Einbildungskraft durch et-was Wesentliches zu beflügeln, als mit Kleinig-keiten anzufüllen suchte, und überhaupt in diesemKunsttheile weder zu verschwenderisch noch zugeitzig war. Verwirrung seiner Gegenstände suchteer so sehr zu vermeiden, daß er dem Beschauernoch lieber etwas zu wünschen übrig ließ, als seinAug durch eine allzuängstliche Genauheit übersät-

Vince.

tigen wollte"- u. s. f. Denn eine noch ff. Stelleist uns völlig unverständlich**). Dagegen lesenwir bey eben diesen Kunstrichtern noch an einemandern Ort **>*): Nicht nur sey da Vinci dererste, welcher den Ausdruck gründlich studirt,sondern vielleicht überhaupt der, welcher dießStudium mit der meisten Sorgfalt und Aushar-rung getrieben habe. Ferner (dieß nach l'Epicis):„Bey ihm bestand die Schönheit eines Gemäldesin jener angenehmen Abwechselung der Formen,welche vhngezweifelt der vornehmste Schmuck derNatur ist. Daher lud er, wie Lomazzo erwähnt,nicht selten eine Gesellschaft Bauern, und zugleicheinige Lustigmacher zum Essen ein, welche dieerstem durch allerley Schwänke ergötzten, undtrug, so bald er allein war, die mannigfaltigenRegungen ihrer Freude, aus dem Gedächtniß sonatürlich aufs Papier, daß man sich des Lachensunmöglich enthaten konnte; und eben so machteer es, wenn er Missethätern und der Schaar derZuschauer auf die Richtstätten folgte, so wie er esüberhaupt niemals unterließ, alle auffallendenKörperformen, Gesichtsbildungen u. a. Glied-maaßen, meist auf der Stelle in das (schon obenerwähnte) Büchelgen einzutragen, das er immerbey sich fährte. Und eben dieses rteth er auchAndern. Wenn späterhin die Carracci und mehrereAndere Carrikaturen zeichneten, so geschah es bloßzu ihrem Vergnügen; für ihn war dergleichen einabsichtliches Studium der Leidenschaften", dasihn freylich — nicht zum Ideal führte. „Aber"(setzen nun Wareler und I'Eveque hinzu) „eheman zu diesem gelangen kann, muß man zuerst dieBasis alles Schönen — die Wahrheit erreicht ha-ben, ohne welche man, indem man nach demIdealen tappt, nur leere Einbildung erfaßt. Wenndaher auch Leonardo in dem erstem Raphadl nieerreicht, so bemerkt man dennoch in seinen Bil-dern Wahl und Grandiostkät zum öftern. Dieschönen Ebenmaaße des menschlichen Körpershatte er, wenn je Eiyer, nach Grundsätzen stu-dirt. Seine Bildnisse zumal waren äußerst feingezeichnet, und von größter Wahrheit in Aus-druck und Farbe. Auch wußte er seinen Werkeneine lange Dauer zu verliehen; noch finden sichdergleichen, welche frisch von der Staffeley zukommen scheinen. Kann man ihm bisweilen mitRecht Kalte vorwerfen, so findet sich solche dochnicht in seinen schönern Werken; aber freylich niejene Gattung Wärme, die man heut zu Lag' sosehr rühmet, und die mit der Wahrheit doch ebenso wenig als jene Kälte sich verträgt. Daß diebeyden Kartone von M. Angelo und Sanzio zuFlorenz ihn von der trockenen und mesguinenManier des Perugino abgebracht, ist bekannt;und eben so, daß er, nach dem Beyspiele derAlten, ein Feind der Verwirrung war, und daherin seinen Bildern bloß diejenigen Figuren ein-führte, welche der Gegenstand unumgänglich er-heischte".

") Art. Lo/s.

<)ui ssmllls loujour» teoilre s Is llrsire er ü Is oirculsire, er gut o'e«r jsmsi» oi 1'uu« ni I'imtre.

Gas Alles eben auch bloß gcwissermaaßen wahr ist.

f) netremeQt.

ff) Nach de piles Uebersetzungifff) Eben auch nicht sehr deutlich»

*) les vlcosesnces,

**) II coinmeucs psr consulre, plusieurs Sorte» rle 1,'vres; >1 eo svoir lire uue loüoirö «le lienx eoraniua» lloorII svoir Isir Ull recueil. Gut! Aber NUN: II ne Igissoic rieu eclizpper <>e es cjlli ponvoir conveolr Ä I'sx-pressiön <Ie roo sujel; er per le leu cie ron imatziosrion, »ussi dien ^ue sisr !a soliäile >iv soo jugemeor,II elevoit les ckores llivines per les lillmsiaes, er ke.voik «lonirer sux bomiues !er llegres lliUircris Hui lerporroielll csrscrere ile lieros»

Art.