Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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Z058 Vinre.

donna m!t dem Kinde, welch Lanz» nicht (wiees Andere thun) zu den unvollendeten Arbeitenbou Lionardo zählen will; ein anderes ähnlichesschönes und vollendetes Bild, im Pallaste Belgio-joso; wieder eine Madonna in der Gallerte Litt«,von des Künstlers erster Manier, und Ebenda-selbst einen St. Johann Baptist«, den aber An-dere einem seiner Schüler, Cesare da Sestv (dochnach des Meisters Carton gemalt) zuschreiben.Das Nämliche gilt von jener berühmten St. Annain der Sakristei St. Celso, von Andrea Salainoausgeführt*). Wieder schöne Madonnen, dieman für da Vince's eigene Arbeit hält, besaßen» 8 vg. noch der Canoiricus Foglia, und die Mar-chestn Viktoria Lcpri**), welche die ihrige ausRom gebracht***); vollends aber die HH. Palla-vicini von St. Calocero ein vortreffliches Bild-niß der berüchtigten Beyschläferin des HerzogLudovic, Cäcilia Gallerani, in des Künstlers beß-ler Zeit gemalt, und nicht mir einem schon frühergenannten zu verwechseln. Dort ist sie noch einblühendes Mädchen; hier eine schöne Frau zwi-schen So und 40; dort hält' sie eine Guitarre,hier mit der Hand ihr Gewand. Ein gleichesBildniß, wo nicht vom Meister, doch von einemgeschickten Schüler (und woraus der Künstlerspäterhin eine — St.Cäcilia gemacht), sieht manbey dem Professor Franchi, eine höchst graziös undzart gemalte St. Catharina, mit zwey Engelchen,bey dem Maler Appiani, und bey Ebendemselbenzwey wunderschöne Füße, in Pastell gemalt; zweyschöne Köpfe nebst der, schon oben angeführten,(kleinen) nackten Venus, bey dem Grafen JacobSannazari; eine kleine Verkündigung (ungewiß obvom Meister) im Haus Anguissola; ein sehr schö-nes Bildniß im Hause Scotti, das aber, wennes (der Kleidung nach) des Kanzlers Moroni'sist, nicht da vince's eigene Arbeit seyn kann,da dieser Moroni erst nach des Künstlers Abreisevon Mailand seine Stelle erhielt; ein anderes

V i n c e.

Bildniß (Franz I. oder glaublicher Gaston's deFoix) im Hause Piantanida; schönes Kinder-Grupp im Hause Greppi alla Cavalchina, undein Grupp lachender Bürger im Hause Vedani.Dann sah in neuern Tagen (1809.) Morgensternnoch in der Gallerte alla Brera von da vinceeine Madonna, die auf das Kind niedersteht; um-her drey Bischöfe, ein Kardinal, und der Dona-tär mit Frau und Kinde; ein Paar Engel, eineKrone darüber haltend; noch viel Gold darin;die Köpfe ganz in Lionardo's strengem, festemGeiste. M. zweifelt, ob es nicht etwa dasselbeBild seyn dürfte, welches anderwerts als in St.Ambrogio ad Nemus befindlich, angegeben ist^).Hiernächst befindet sich bey Morgensterns)Manches mehr und minder sehr Bemerkenswerthesüber die traurigen Ueberreste des da vinceschenAbendmals, theils nach eigener Ansicht, theilsnach andern frühern Beschreibungen dieser großenRuine (letztere mit seiner Kritik begleitet); überdie neueste Copie von Bossi, über Morghen's be-rühmtes Blakt, und über die alte Copie vonMarco Oggione aus der Karthause zu Pavia,itzt im Besitze des Apothekers zu Mailand, worü-ber wir Madame Friderike Brun die erste be-deutende Notitz zu verdanken haben ff^). Nurirrt sich der würdige Mann, wenn er (freylichnach dem Vorgänge von della valle, Fiorillou. s. f.) das Abendmal zu Pavia, als auf dieMauer gemalt angiebt, und darauf den Schlußgründet, daß die von der Mad. Brünne» ent-deckte Copie ein ganz neueres Werk seyn müsse*).In der dem Refektorium alle Grazie anliegendenKirche selbst sah Cochin noch vor 60 Jrhren einAltarblakt, wie er glaubt von da vince, welcheser als Vierte mirsculeuse rubrizirt, und mittel-mäßig von Werthe nennt, auf dessen untern Theil«sich zwey Figuren befinden, welche Bildnisse zuseyn scheinen**). Rieservetter endlich (aller-neuest***) sah in Brera noch das Studium von

*) S. unten die Bilder in Frankreich.

-na) Sonderbar ist es, daß Amoretti derjenigen H. Familie keine Erwähnung thut, welche öomazzo cr,->c-r->lo seil» kirruis) p. 1/l ausführlich beschreibt, und solche (I. c. 212) als ein Muster vortrefflicherAusspendung von Licht und Schatten darstellt. Nach ihm stand solche in der Capplle della Conceptione derKirche St. Francesco zu Mailand , und selbst neuere Luise 6i Milan» thun solcher noch Erwähnung. Die-ses Bild ist nach llonrazzs's erwähnter Beschreibung offenbar kein anderes, als die von Desnoyers so vor-trefflich gestochene Vieles äs Is koclie, welche wahrscheinlich als Kunstbeute nach Frankreich von Mailandgebracht worden, und sich gegenwärtig wieder an seiner alten Stelle befinden mag. Daß Lomazzo deshöchst seltsamen festigten Hintergrunds, als etwas Außerwesentlichem, mit keinem Worte gedenkt, darf uns —nach der alten Kunstlichter schlichtem Sinne — keineswegs befremden. Wie übrigens dieser sonderbare Hin-tergrund entstanden sehn mag, f. oben unsre Vermuthung. S. 2052 Anm. so wie späterhin von einemDoppel dieses vorzüglichen Bildes.

«!«',) Vielleicht aus dem Kabinette des Cardinals Aler. Albani, dessen Beyschläferin eine solche Lepri war.

-j-) Und welches stanzi ( wie so Viele) bloß für, von dem Meister ritoccirt hält. Noch heißt es bey Morgenstern(i. Z- 587-) in seinen dortigen Notihen vieler alten Bilder aus der Mailändischen Schule in gedachterGallerie: „Mir wurde bey Betrachtung derselben besonders der Gedanke der Große des Einflusses lebendig,den stionnrd dn vince auf die Milanesischen Maler bis nach Lugano hin gehabt hat, so daß er wegenjenes Einflusses und der von ihm unter Ludovic Sfvrza, genannt il Moro, errichteten Akademie der Malereyund Baukunst, ebenso wie er wegen seines Geburtsortes znr Florentinischen Schule gerechnet wird, gar wohlauch als Haupt der Milanesifthen angesehen werden konnte. Sein Einfluß auf diese scheint mir selbst beyLanzi »nd Ftorillo nach Verhältniß nicht genug im Einzelnen erörtert; auch manch« seiner trefflichenSchüler, nach Maaßgabe ihrer noch vorhandene» Werke, uicht ausführlich genug charakterisier; wenigstensnicht bey Ftorillo

4"f) l- 0. 590—L02»

Hj-fi) Morgenblntt -Zu. Nro. 226 ». 27. Nm dieselbe Zeit indessen schrieb ein gewisser Abb« Guillon,Doktor der Theologie, auf nicht minder als 215 S. ein ungenießbares Geschwätz: 1« Ouscie -l«

lle Vinei, reullu sux. smis <le Lesux-/tees, tl,os le reblesu gu'on voic eujoui ü'tiui aber u» cilo^eu cle

Milan er». 8- Milan 8--. welches eigens bestimmt schien, den Schatz des Apothekers um hohen Preis anden Mann zü bringen.

») S- hierüber unten das Nähere bey der genauen Aufzählung aller Copieen des Abendmals, nach Rafft.Das Lustigste indessen ist wohl, daß der letzte» in seinem Ingrimm, so wie die edle Dänin in ihrem Ent-husiasmus über die Hauptsache, uns den, Loch von aller Schuld oder Verdienst freyen — Namen desApothekers r» Mailand anzugeben total müssen vergessen haben, so wie aus andern uns unbekannten Grün-den auch der H. Abbe Guillon denselben verschwiegen hat,

»-i) Alles schwankend, und noch ärger, was er vom Abendmal — wie schändlich ! bloß von — Hörensagen spricht;nicht einmal weiß, ob es alle Grazie oder bey St. Victor stehe; dann doch allerley (meist zu dessen Preise)dahlt, und (wohl vollends vom unrecht Hören) erzählt: Daß sich an der Hand des Apostel Johannes sechsFinger befinden, wos bloß von der Tapete im Vatikan nach diesem Gemälde der Fall ist. S. Ftorillo i. 296.nun) Reisen t. 224.