Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
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V i n e e.

da vince drey Frauenköpfe, alle drey auf brau-nem Grund, auf Holz gemalt; der eine (^ i"hoch, 10" br.), die Haare oben zusammenknüpft(irgendwo heißt es: Iss cbevsux 80U8 unstooqne), nur wenig drappirt (dieß früher imBesitze eines H. le Grand); das zweyte von glei-cher Größe, ein junges Mädchen, seltsam coiffirt,und mit kleiner Halsdeckung; das dritte, und,wie es scheint, das bedeutendste, lebensgroße Halb-ftgur (2< 4 " hoch, 1/ 10" br.), ein früherhin demMylord Melford zugehöriges, unter der Benen-nung Colombine bekanntes Bild einer jungen blon-den Frau, deren Schmuck du Bors de St.Geists beschreibt, wie folgt: 8 es cbevsuxsont nsteg autour cis sa töte; eile n uns cüs-ruins fort Iar§s semes äs petits entrelss, bra-ves 6 e 8 ois jsune aves un rubis hui l'attsclis,nials cis muniers hu'cni lui volt ls moltie öe l-rxor^e. Llle tient äu zssmin 6 ans sa malntlroite. Der Grund ist mit verschiedenen Blumenbesäet. Auch Gault de Sr. Germain spricht,aber sehr undeutlich von Verschiedenem, das sichnoch von dem Unsrigen in Frankreich befindensoll; das ausdrücklichste ist: Joseph und Poti-phar's Weib, bey einem H. de Chamois.

In deutschen Gallen'en wollen von da vincebesitzen: Die KK. zu Wien: Christus mit Dornengekrönt, das Kreuz auf der Schulter; lebens-großes Brustbild. Dann: Herodias befiehlt demScharfrichter, das Haupt Johannes, welches erihr darhält, in ein nebenstehendes Gefäß zu legen;ganze drey Viertel lebensgroße Figuren. DannEbendieselbe (noch abscheulicher), das erwähnteHaupt, selbst in einer Schüssel tragend, woraufder Scharfrichter neben ihr es so eben gelegt hat;lebensgroßes Brustbild. Und noch einmal: Sieempfängt das Haupt vom Scharfrichter auf einergoldenen Schaale, neben ihr eine Alte, mit derfte sich unterhält; halblebensgroßes Brustbild.Dann Ebendaselbst die Lichtfieimsche Gallerie( das Verzeichniß von Fanti erwähnt dessen nicht)die Kreuztragung. Die Gallerie zu München:Eine H. Familie, wo der kleine Johannes demKinde knieend eine Blume überreicht; dann daslebensgroße Bildniß eines Geistlichen; und das-jenige eines jungen Frauenzimmers, mit zweyHänden, ebenfalls lebensgroße Halbfigur; end-lich, wir wissen nicht recht, ob zu München oderSchleisheim, die (zumal bey bewandten Umstän-den des Urbildes) wichtige Seltenheit einer frey-lich nur sehr kleinen 3 ^ 9" br., 2^ 3 " hohen Copieseines Abendmals von Nicl. Poussln. Dann sicherzu Schleisheim: Allegorische Darstellung vomSündenfall und dem Sieg über Teufel und Tod.Das Christkind hält eine Schlange und das Kreuzin den Händen, und tritt auf einen Todtenkopf;neben ihm hängt an einem Aste die verboteneFrucht. Kleine ganze Figur. — Eine St. Mag-dalena (2^ hoch, 6" br.) Endlich im Königl.Schlosse Lustheim ein von H. Männlich selbst„angeblich" genanntes Bildniß der Joconde(z/ 4" hoch, ir" 2", br.) Uebrigens sagt der-

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selbe in feiner Charakterstück von Lionürdo sehrgut: „Seinen erfinderischen Geist wußte er demNachdenken, der Beobachtung und einer klugenBesonnenheit zu unterwerfen. Seine Begeisterungwar sanft; sein hohes Ideal, seine Erfindungs-kraft, seine Phanthasie waren mit der Vernunftund der Wahrheit im Einklang; er suchte nichtsaußer den Gränzen ästhetischer Gesetze, als viel-leicht eine allzugroße Vollendung, die an dasMühesame reicht, und seinen Gemälden (biswei-len) ein kühles oft trockenes Ansehen giebt." —Dresden wieder eine Herodias, die das Hauptdes Täufers in der Schüssel trägt, Knieesiück,sehr schön, nur daß das Kolorit ein wenig vcr-nachläßigt scheint. Dann das ganz vortrefflicheBildniß eines Greisen, Halbfigur, das man langefür einen Kopf Franz 1 . hielt, jetzt aber wissenwill, daß es Franz Sforza's von Mailand ist ").Sanssoucy eine Madonna mit dem Kinde, daseinen Apfel hält *S); dann Christus mit Marthaund Maria -**), und Vertumnus und Pomona.Die Gallerie im Söder einen Christuskopf mitder Dornenkron und dem Kreuze, was aber Ram-dohr für sehr zweifelhaft hält, da z. B. die Händeinkorrekt gezeichnet sind. Eben dieser Schriftstel-ler urtheilt in seinem Werke über Rom > 4 )/ überda Vince, im Allgemeinen, Mancherley, waswir eben nicht unterschreiben möchten. Richtigindessen ist wohl Folgendes: „Er wagte es zuerst,andere als bloß geistliche Gegenstände zu behan-deln ; und eben so bemerkt man in seinen Werkenzuerst den Begriff von dem höchsten Zwecke derKunst, die Affekten der Seele mit Wahrheit dar-zustellen." Ebenso: „Die wenigen weitläufigenComposttionen von ihm verrathen den überdachtenPlan, jede Figur einen bestimmten Antheil ander Handlung nehmen zu lassen." Dann aber:„Die Lieblichkeit seiner Weibrrköpfe sey Minau-derie: Auch sehen sie sich an Form alle einanderähnlich; alle haben gekniffene Augen und Grüb-chen in den Wangen. Männer von schlechtemCharakter hat er bis zur Carrikatur übertrieben."Weiter: „Er zeichnete gemeiniglich richtig, undimmer mehr bestimmt; vielleicht zu sehr, so daßseine Umrisse darüber hart (?) geworden sind. DieHände sind wahr und gewählt, aber doch zu knö-chern. Die Gewänder zeigen das Nackte gut an;allein der Faltenschlag ist zu kleinlicht geordnet,und zu trocken ausgeführt. Die Carnation fälltbey jugendlichen Figuren ins Weinhefenfarbjge,bey ältern ins Nußbraune; wahre Mezzotintenkannte er nicht; aber die Lokalfarben der Gewän-der sind rein, und noch jetzt frisch und wohl er-halten. Vom Helldunkel und der damit correspon-direnden Gruppirung hatte er keinen Begriss (?).Er rundete jede Figur durch Abschwächung desWeißen, vertrieb die Umrisse nicht, und kanntekeine Reflexe; daher die geringe Wirkung seinerGemälde auf den großen Haufen. Der äußersteFleiß , der an das Ueberflüssige wie an das Noth-wendige verschwendet wurde, herrscht in der Be-handlung; daher das Kleinliche, das Trockene."Genug, und wohl mehr als genug! — Noch lobt

(I. c. 212) führt Lsmazzs eben dieses Bild, das er überhaupt vortrefflich heißt, als ein Beyspiel wunder-bar schöner Beleuchtung an. Der seltsamen Felftnverwüstung im Mittel - und Hintergründe gedenkt L- nicht,wahrscheinlich weil die Alten, ganz anders als die Neuern, alles was Staffirung heißt, durchaus als anßer-wesentlich zu betrachten gewohnt waren. S. auch oben S. z°58 Not. und noch Mehreres über diesenGegenstand unten, bey Gelegenheit eines, ebenfalls in allem Wesentlichen, durchaus gleichen Bildes imBesitze, des H. Grafen von Benzel-Sternau.

») Andere halten's, noch wahrscheinlicher, füv den ftanzösischey Feldherr» I. I. Trivulzio (nach seinem Siegebey Agnadello) 1509. gemalt. Füßlt I. -8—19. endlich nennt (wahrscheinlich immer dasselbe) als Bildnißeines alten vornehmen Mannes in der Tracht des xvi. Jahrhunderts welches I. Folkema (wir glaubennach der Zeichnung von M- Bacciorelli) für das Dresdner-Galleriewerk gestochen habe.

n») Heineeke 1. 9. nennt es kurz: Madonna mit dem Kinde, Halbfigur. I. G. Bartsch habe es (wahrschein-lich klein und dürftig) gestochen, und Sn ytnci sey auf dem Blatt: <ls Omu» genannt.

-zy«) I. O. Lsiker

4 ) n. L-o.

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