Iv66 Vince.
auf Vorrichtungen gerieth, welche drey Jahrhun-derte spater, gelehrten Gesellschaften als ganzneue Erfindungen vorgelegt worden.
Noch bleibt uns, in Absicht auf unsern eigent-lichen Gegenstand, einzig die Litteratur desjenigenübrig, was in ältern und neuern Tagen Bedeu-tenderes nach da Vinci theils gemalt und gezeich-net , theils in Kupfer gefertigt worden. Zu demEnd haben wir es auch namentlich bis hieher»erspart, der zahlreichen Copien seines Abendmalszu gedenken. Schon bey Fiorillo (I. 892—9-j.)finden sich iZ. derselben aufgezahlt. Eine Berich-tigung und Vervollständigung dieser Nomenclaturfast bis aufs Dreyfache liefern wir hier nachLossi, für deren Weitläufigkeit wir einzig zurEntschuldigung anführen können, daß sie denndoch nur der Auszug von 82. S. in größtem Foliosey , und den am Ende alle diejenigen unserer Lesernoch überschlagen können, welche ein solches De-tail ermüden könnte.
Diese Copien sind in chronologischer Reihungfolgende:
1. (6. 1800). Im alten Refectorium der Wai-senkinder im großen Spithal zu Mailand. InFresco. Die Figuren unter Lebensgröße. DasGanze i 3 . Br. lang, und über 4. hoch. MitFleiß, aber im alten Geschmack gemalt, ohneFeinheit der Zeichnung und Genauheit des Aus-drucks. Alle Apostel, den Judas ausgenommen,haben einen Heiligenschein. Von einem Anony-mus, der indessen Ambrostus Fossani, mit demTeynamen Borgognone, seyn könnte, und dernoch in 1627. erscheint.
2. (i 5 io.) Im Refectorio des Convents vonSt. Barnaba zu Mailand. Wahrscheinlich (be-sonders aus dem Charakter der Köpfe zu urthei-len) von Marco da Gggiono *). Klein (§ j»Br. lang, 2 Br. hoch). Die Figuren ohne Füße.Wahrscheinlich nur eine Art Carton für größereAusführungen von ihm, wie diejenige in Oel inder Carthause von Pavia, und in Fresco im Con-dent zu Castelazzo. Die Köpfe schwer und grob,die Stellungen ungelenk; Hände mit unrichtigenBewegungen ohne Grazie.
3 . ( 6. ihro—i-j.) Im Convent de Frati diSt. Girolamo zu Castelazzo. Größere Ausfüh-rung des vorhergehenden, von Marco d'Gg-giono. In Fresco (12 Br. breit, 6 Br. 10 Unz.hoch), «mit vieler Aufmerksamkeit und Fleiß ge-malt." Dann aber heißt es weiter, fast wider-sprechend mit diesem allgemeinen Lob: „Viel Ei-genes, eben nicht Vorzügliches, in der Staffi-rung. Das Kolorit noch willkührlicher, mit ei-ner solchen Verschwendung von Ultramarin, daßdiebische Hände bewogen wurden, solchen her-auszuziehn, und so das Bild an vielen Stellen
V i n e e.
zu verderben. Die Carnation des Fleisches ziehtaufs Röthliche. Das Kolorit überhaupt wederangenehm noch harmonisch; die Haare und Bartvon den unangenehmsten Farben. Das Aergsteaber ist die Zeichnung zusammengepackter Figuren,schwere Köpfe, fast noch mehr als in Nro. 2.Kleine, kurze, übelgeformte Hände, und nochschlechtere Füße; die Ohren bisweilen nicht ander rechten Stelle. Die Figur des Heilands hateinen breiten Hals ohne Muskeln und keineSchultern.
4. <6. l 5 io-iä.) In der ehemaligen Certosazu Pavia, ungefähr in gleicher Größe, wie N°. 3 .(d. h. ungefähr ein Fünftheil kleiner als das Ur-bild). Von dort kam es, bey Gelegenheit einesVerkaufs anderer diesem Kloster zugehöriger Ef-fekte **) in die Hand eines Mailandischen Kauf-manns ***). Es soll in Oel auf Tuch gemalt,und wohl erhalten, doch an Stellen-etwas nach-geschwärzt seyn, wo das Bleyweiß die Farbe nichthalten wollte. Einige Theile des Bildes sind vonfremder Hand, und zumal Füße mit ungeheuernZehen. Einige Köpfe schön und von viel Relief,andere hingegen carrikaturirt im Ausdrucke undeinige abscheulich verzeichnet, wie z. B. der vonChristus und noch mehr der vom Apostel Philip-pus, Oggiono, der auch dies Bild gefertigt,muß entweder sehr ungleich gemalt, oder uner-fahrne Schüler gehabt haben. All' Obiges nunist aus einem Stiche von Frey (?) zu ersehen.Vom Colorit läßt sich freylich nicht urtheilen;und ob ich gleich das Bild, zur Zeit da es beydem Bildhauer Franchi in der Akademie stand,mehrmals betrachtet, erinnere ich mich desselbennur noch unvollständig, da sein jetziger Besitzermir es nie mehr zeigen, späterhin aber dann frey-lich mir dasselbe auf ein Jahr für — 200. Louis-d'or Zins liehen, und dies mir nicht behagen wollte,so daß ich um Verzeihung bitten muß, wenn ichdarüber nicht mehrern Bericht ertheilen kann. —Wahr isi's, der Maler Sanagostino in einem1671. gedruckten Düchelchen ^) nennt diese Copie„so schön als das Urbild," spricht aber bald nach-her von diesem letzter» so, als ob es selbst fastnicht mehr genießbar sey. Ungefähr eben so urtheilteein gewisser Carthäufer Barth. von Arena vomOriginal und der Kopie noch 5 o. I. früher (1626).Ueberhaupt ist dies Bild aus Pavia, so wie daszu Castelazzo nichts, als eine größere Ausführungdessen, was Oggiono für St. Barnaba (N°. 2.)gemalt, und wesentlich mit ebendenselben Gebre-chen behaftet; z. B. daß die Füße fehlen, dieFarben aus der Luft gegriffen sind, u. s. f. u. f. «j"^)
8. (»5 . . ) Mazzenra, von venruri citirt,thut einer Copie von pedrini Erwähnung, den derp. Rests einen Schüler von da vince nennt.Wo sie sich finden soll, wird nicht benannt. Ob esetwa die im Escurial oder die zu St. Germain
") In Oel. Vielleicht nach einem Carton von Cesare da Sesto. Indessen gedenken vasari und llomazzoin ihren Nachrichten von Oggiono dieses Bildes nicht.
"») Kurz und gut (179z.) als Joseph n. die Klöster aufhob. Riesewetter !. 216—18.
n:-») Eines Materialhändlers (l. c), der es um -0 Zecchini erkauft hatte. S. eine weitschichtige Beschreibungdesselben im Tüb. Morgenbl. ig--- S.901—2. und 6—8., so wie einen etwas breiten Aufsatz über dasUrbild selbst, was es gewesen sey, und was es jetzt ist l. <-. 1S10. S. 174—76.
ss) Ueber die öffentlichen Gemälde zu Mailand.
sf) Ohne unser Erinnern wird der Leser bald bemerken, welche Mühe sich der sel. Sofft giebt, diese, wahr-scheinlich beßte Copie unsers Bildes, weit unter dessen Werth herunterzusetzen; und der Grund hiervonliegt wohl offen im Terte. Aber (wie wir zum Theil schon oben vernommen) gerade in der entgegengesetz-ten Absicht, dem quästionirlichen Bilde den höchst möglichen Werth beyzulegen,, geht der Abbe Guillon inseinem: eänacl- zu Werke (wo er, seltsam genüg, den gegenwärtigen Besitzer desselben ebenfalls nicht beymNamen nennt), »nd will z. B. beweisen, daß das Abendmahl zu Pavia nicht von Oggiono, und ursprüng-lich eben so wenig für die Carthause zu Pavia, sondern entweder für ein Zimmer des Herzogs Ludovic(der dessen nicht satt werden konnte), oder für Ludwig xn. und noch wahrscheinlicher für Franz >. gefertigtwurde, nachdem dieser letztere sich von der Unmöglichkeit überzeugt hatte, das Urbild unbeschädigt nach Frank-reich zu bringen; und will dann aus alle diesem als höchste Wahrheit begründen, daß jenes zwar eben nichtvollständig dn vince'» eigene Arbeit, aber doch durch die Verbesserung seines Pinsels seinen vorzüglichenWerth erhalten habe.