Band 
Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält.
Seite
5063
JPEG-Download
 

S06Z

Wtstall.

Gemälde, Zeichnungen» Kupferstiche und Kunst-bücher ans Licht; immerhin bemerkenswerth alsBeytrage zum artistischen Theile der DänischenLitteratur. Mrc.

Westall (R>). Von diesem Englischen Ma-ler neuester Zeit heißt es bey Fiorillo V. 8 c> 5 —7»«Westall gehört zu den Artisten, die durch An-muth und Reiz zu gefallen suchen. Seine graziöseManier ist in Deutschland nicht unbekannt geblie-ben. Sie ist auf allen unsern Jahrmärkten zu se-hen. Jene bunten englischen Kupferstiche, nied-liche englische Mädchengefichter, Kindergruppen,Nymphen u. a. m. vorstellend, sind größtenteilsnach Westalls Bildern. Diese Bildchen mit denenglischen National -Physiognomiken, welche derPhantasie jedes Beschauers gerade so viel Raumgestatten, daß jeder die noch fehlenden Züge sei-ner liebsten Bekannten hincinmalen kann, gefallenden Engländern ungemein. Sie verdanken westalldie Freude, hier eine Schwester als Venus, dortihre Ehehälfte als Diana zu sehen, in jenen Nym-phen viele hübsche Mädchen ihrer Sippschaft zuerkennen, und in diesen Amoretten den freundli-chen Blicken ihrer Kinder zu begegnen. Manbegreift leicht, daß dieser Künstler einen hohenGrad der Popularität erreicht hat, und Gäbeweiß keinen populärern englischen Historienmalerzu nennen. Für die Kunst ist unter diesen Um-standen von Westall wenig zu hoffen; denn esdarf jetzt wohl kaum erwartet werden, daß er,wenn ihn auch Apoll in eigner Person zur Wahr-heit und Natur zurückzurufen suchte, diesem zuGefallen seine bunte Manier, und mit ihr seine— Popularität aufgeben würde *). Don seinenWerken nennen wir nur die beliebtesten. Es sindfolgende: Die Versöhnung des Paris und der He-lena; Venus und Bacchus; ein Erndresturm; eineH. Familie; die Anbetung der Hirten, und zweyBauernkinder im Besitz des Lord Berwick. Nichtminder gefällig sind seine Sappho, die dem Amoreinen Hymnus singt; Hesiodus, der die Griechenin den Künsten des Friedens unterrichtet, und dieZeichnungen zu einer Prachtausgabe von Thom-sons Jahrszeiteu. Unter seinen neuesten Erzeug-nissen sollen Hanibal im Elende, eine Bacchantinund die Heloise, welche der Graf von Carlislemit i 5 c» Guineen bezahlte, die vorzüglichsten seyn.I» der Shakespeare-Gallerie werden von Westallmehrere Stücke gewiesen. Siestnd aus den Schau-spielen Macbeth (^ct. I. So. 5 .); Heinrich IV.(Her. III. 8t. i.; Heinrich VIII. (Hot.IV. 8c. 2.)Julius Cäsar (^ct. IV. 8c. 3 .); (Cäsar's Geisterscheint dem Brutus); und Cymbeline (^ct. III.8c. tt. a. I>. 8c. 4.) entnommen. Die Figur derLady Macbeth ist wirklich schön; auch haben dieandern Bilder, ihrer Härten und ihrer manierir-ten Zeichnung ungeachtet, manche Vorzüge, be-sonders von Seite der Beleuchtung. Noch be-merken wir, daß ein Bruder von Westall alsZeichrnmeister mit dem Lieutenant Flinders aufdem Jnvestigator auf eine Entdeckungsreise nachNeuholland gegangen ist, und daß man sich vonseinen Arbeiten viel verspricht." Von dem letzt-genannten Bilde aus Shakespeares Cymbelinekennt man ein Blatt (wahrscheinlich in Punktirma-nier) von Tb- Gaugain c8oü gefertigt, für denzweyten Band von Doydell's Prachtwerk über er-wähnten Dichter Irgendwo lesen wir noch: «Aufdem Londner-Salon i8«,h lieferte er eines der an-ziehendsten Bilder desselben: Eine arme Fischer-Frau, die, wahrend eines gräßlichen Sturms, mitangstzerrissenem Herzen auf die Wiederkehr ihres

Westess.

Mänties wartet." Von ihm eigenhändig wild ra-dirt kennt man eine Landschaft mit entblättertenBäumen. Auch /oster (in Archenholz. Annal.XIX. 145.) sagt von dem Unsrigen: «An klassischerCorrektheit des Geschmacks und harmonischer Wir-kung ist Westall der Einzige in seiner Art. JentBauernkinder, die er für Lord Berwick gezeichnet,und hernach in Oel gemalt hatte, gefielen unge-mein durch einfachen Reiz, der das Auge bezau-berte, und in dem Herzen des Beobachters dassanfteste Mitgefühl regemachte. Nicht minder schönwaren seine (schon genannten Zeichnungen einer Sa-ppho, die dem Amor einen Hymnus fingt, des Hesio-dus, der die Griechen in den Künsten des Friedens un-terichtet, und eines Herdststurms der von großemAusdrucke war."

Westberger(van), ein Kupferstecher, stoben Is. Waesbergen»

* Western st Werkstein im Lex. und unten»

* Westen (A. Leb.) So rubrizirt Gandekum den altern Augustin Terrvesten.

-- (Leopold), Kurpfalzbayerscher Inge-nieur-Major bey dem Bambergischcn, ehemalsFürstbischöflichen, Artillerie-Corps, und Professor(s. b. Direktor) der von ihm gestifteten Inge-nieur - und Zeichnungs - Akademie zu Bambcrg,geboren daselbst i/ho und ebendaselbst gest. 1804,schätzenswerth auch als selbstausübender Künst-ler. Mit einem freyen Geschmacke zeichnete ergothische Ruinen, und malte auch in Oel Na-turereignisse, Schneestücke, Stürme, Ungewitter,u. s. f. Ein etwas seltsam verfaßter Nekrologvon ihm (M e u se l's Auch. l. ( 4 .) 20Z—4.) lau-tet, wie folgt: »Enthusiasmus für die Kunstdurchglühte ihn, und ein rastloser Eifer fesselteihn an Arbeiten mancher Art. So außerordentlichsein Fleiß war, so fruchtbar war er an Erfin-dungen. Die Erzeugnisse des erstem sind zweyKabinette, die auch der kälteste Beobachter mitVergnügen betrachtet. Das erste besieht ausZeichnungen, und enthält hundert Stücke. Siealle sind eigene Erfindungen, mit der Feder ge-zeichnet, und stellen gothische Ruinen vor. Fastunnachahmlich ist der Laubschlag, und die Lufttäuschend ausgedrückt. Das Ganze ist mit ma-lerischer Haltung ausgerüstet, und thut sehr starkeWirkung. Die Feinheit der Züge wechselt mitder Stärke eines französischen Stückes ab. Vor-züglich romantisch sind die angebrachten Ansich-ten, und die Vorgründe nehmen sich frappantaus Sie bestehen meistens aus Pflanzen. ZumVortheil des Ganzen gereicht, daß die inländi-schen nach der Natur, und die ausländischen nachden beßten Abbildungen in botanischen Werken,gezeichnet sind. Das andere Kabinet besteht auseiner Reihe von Oelgemalden, einzig in ihrerArt. Sie stellen die Natur in ihren verschiede-nen Situationen und Perioden vor, z. B. beyeinem nächtlichen Brande, nach nur kärglich ge-fallenem Schnee; im Sturme, nach einem schwü-len Sommertag; im Spätherbst, wenn die SonneWasser zieht; wenn sich von fern ein Gewitterzusammenzieht; wenn der Blitz Gebäude zerschmet-tert; wenn der Vollmond aufgeht u. s. f. Dieverschiedenen Ereignisse und Erscheinungen derNatur treu durch den Pinsel darzustellen, war derGegenstand, den Westen in seinen Gemälden be-arbeitete, die er deswegen Meievre nannte. Daer die Landschaftsmaiercy in seiner Jugend regel-

«k) S. GSde, am a. O- S. 1,9—120. Lad» Macbeth , nach erhaltenem Briefe, daß ihr Gemahl zum Thronvon Cawoor ernannt sey, und was die Heren geweissaget haben. Sie steht, theatermäßig, voll hohe»Sinns, und ergrimmt über die schwächere Ehrsucht des Gemahls.

Z-?