Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Gesellige Lieder.

Da thut sich Herz und Keller los,

Die Küche darf nicht ruhn;

Auf weicher Betten Flaumen - SchooßKann man sich gütlich thun.

Der kleine Flügelbube hupst,

Die Wirthin rastet nie,

Sogar das Hemdchen wird zerzupft,Das nenn' ich doch Charpie!

Hat Eine sich den Helden nunBeinah herangepflegt,

So kann die Nachbarin nicht ruhn,Die ihn gesellig hegt.

Ein Drittes kommt wohl emsiglich,Am Ende fehlet keins,

Und in der Mitte steht er sichDes sämmtlichen Vereins.

Der König hört von guter Hand,Man sey voll Kampfes-Lust;

Da kömmt behende Kreuz und BandUnd zieret Rock und Brust.

Sagt, ob 's für einen MartismannWohl etwas Beßres giebt!

Und unter Thränen scheidet manGeehrt so wie geliebt.

Offne Tafel.

Viele Gäste wünsch' ich heutMir zu meinem Tische!

Speisen sind genug bereit,

Vogel, Wild und Fische.

Eingeladen sind sie ja,

Haben's angenommen.

Häuschen, geh und sieh dich um!Sieh mir ob sie kommen!

Schöne Kinder hoff' ich nun,

Die von gar nichts wissen,

Nicht, daß es was Hübsches sey,Einen Freund zu küssen.

Eingeladen sind sie all,

Haben's angenommen.

Hänschen, geh und sieh dich um!Sieh mir ob sie kommen!

Frauen denk' ich auch zu sehn,

Die den Ehegatten,

Ward er immer brummiger,

Immer lieber hatten.

Eingeladen wurden sie,

Haben's angenommen.

Hänschen, geh und sieh dich um!Sieh mir ob sie kommen!

Junge Herrn berief ich auchNicht im mindsten eitel,

Die sogar bescheiden sindMit gefülltem Beutel;

Diese bat ich sonderlich,

Haben's angenommen.

Hänschen, geh und sieh dich um!

Sieh mir ob sie kommen!

Männer lud ich mit Respect,

Die auf ihre FrauenGanz allein, nicht neben ausAuf die schönste schauen.

Sie erwiederten den Gruß,

Haben's angenommen.

Hänschen, geh und sieh dich um!

Sieh mir ob sie kommen!

Dichter lud ich auch herbei,

Unsre Lust zu mehren,

Die weit lieber ein fremdes LiedAls ihr eignes hören.

Alle diese stimmten ein,

Haben's angenommen.

Hänschen, geh und sieh dich um!

Sieh mir ob sie kommen!

Doch ich sehe niemand gehn,

Sehe niemand rennen.

Suppe kocht und siedet ein,

Braten will verbrennen.

Ach, wir haben's, fürcht' ich nun,

Zu genau genommen!

.Hänschen, sag', was meinst du wohl?Es wird niemand kommen.

Hänschen lauf und säume nicht,

Ruf' mir neue Gäste!

Jeder komme wie er ist,

Das ist wohl das Beste!

Schon ist's in der Stadt bekannt,

Wohl ist's aufgenommen.

Hänschen, mach' die Thüren auf:Sieh nur, wie sie kommen!

Kechenfchaft.

Der Meister.

Frisch! der Wein soll reichlich fließen!Nichts Verdrießlichs weh' uns an!Sage, willst du mitgenießen,

Hast du deine Pflicht gethan?

Einer

Zwei recht gute junge LeuteLiebten sich nur gar zu sehr;

Gestern zärtlich, wüthend heute,Morgen wär' es noch viel mehr;Senkte Sie hier das Genicke,

Dort zerrauft' Er sich das Haar;Alles bracht' ich in's Geschicke,

Und sie sind ein glücklich Paar.