Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
JPEG-Download
 

30

Gesellige Lieber.

Chor.

Sollst uns nicht nach Weine lechzen!Gleich das volle Glas heran!

Denn das Aechzen und das KrächzenHast du heut schon abgethan.

Einer.

Warum weinst du, junge Waise?Gott! ich wünschte mir das Grab;Denn mein Vormund, leise, leise,Bringt mich an den Bettelstab."

Und ich kannte das Gelichter,

Zog den Schacher vor Gericht,Streng' und brav sind unsre Richter,Und das Mädchen bettelt nicht.

Chor.

Sollst uns nicht nach Weine lechzen!Gleich das volle Glas heran!

Denn das Aechzen und das KrächzenHast du heut schon abgethan.

Einer.

Einem armen kleinen Kegel,

Der sich nicht besonders regt,

Hat ein ungeheurer FlegelHeute grob sich aufgelegt.

Und ich suhlte mich ein Mannsen,

Ich gedachte meiner Pflicht,

Und ich hieb dem langen HansenGleich die Schmarre durch's Gesicht.

Sollst uns nicht nach Weine lechzen!Gleich das volle Glas heran!

Denn das Aechzen und das KrächzenHast du heut schon abgethan.

Einer.

Wenig hab' ich nur zu sagen:

Denn ich habe nichts gethan.

Ohne Sorgen, ohne PlagenNahm ich mich der Wirthschaft an;Doch ich habe nichts vergessen,

Ich gedachte meiner Pflicht:

Alle wollten sie zu essen,

Und an Essen fehlt es nicht.

Chor.

Sollst uns nicht nach Weine lechzen!Gleich das volle Glas heran!

Denn das Aechzen und das KrächzenHast du heut schon abgethan.

Ein er.

Einer wollte mich erneuen,

Macht' es schlecht: Verzeih' mir Gott!Achselzucken, Kümmereien!

Und er hieß ein Patriot.

Ich verfluchte das Gewäsche,

Rannte meinen alten Lauf.

Narre! wenn es brennt, so lösche,Hat's gebrannt, bau wieder aus!

Chor.

Sollst uns nicht nach Weine lechzen!Gleich das volle Glas heran!

Denn das Aechzen und das KrächzenHast du heut schon abgethan.

Meister.

Jeder möge so verkünden,

Was ihm heute wohl gelang!

Das ist erst das rechte Zünden,

Daß entbrenne der Gesang.

Keinen Druckser hier zu leiden,

Sey ein ewiges Mandat!

Nur die Lumpe sind bescheiden,Brave freuen sich der That.

Chor.

Sollst uns nicht nach Weine lechzen!Gleich das volle Glas heran!

Denn das Aechzen und das KrächzenHaben wir nun abgethan.

Drei Stimmen.

Heiter trete jeder Sänger,Hochwillkommen in den Saal;

Denn nur mit dem GrillenfängerHalten wir's nicht liberal;

Fürchten hinter diesen Launen,Diesem ausstaffirten Schmerz,Diesen trüben Augenbraunen,Leerheit oder schlechtes Herz.

Chor.

Niemand soll nach Weine lechzen!Doch kein Dichter soll heran,

Der das Aechzen und das KrächzenNicht zuvor hat abgethan!

LrAO bibamug!

Hier sind wir versammelt zu löblichem Thun,Drum, Brüderchen! Li'Av bibawus.

Die Gläser sie klingen, Gespräche sie ruhn,Beherziget bibamus.

Das heißt noch ein altes, ein tüchtiges Wort:

Es passet zum Ersten und passet so fort,

Und schallet ein Echo vom festlichen Ort,

Ein herrliches Lrgo bibsmus.

Ich hatte mein freundliches Liebchen gesehn,

Da dacht' ich mir: Lr^o bibnmus.

Und nahte mich freundlich, da ließ sie mich stehn.Ich half mir und dachte: Libnuaus.