MriZter.
Aus Wiltrelm
Auch vernehmet im GedrängeJener Genien Gesänge.
Mignon.
Heiß' mich nicht reden, heiß' mich schweigen,
Denn mein Geheimniß ist mir Pflicht;
Ich möchte dir mein ganzes Innre zeigen,
Allein das Schicksal will es nicht.
Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne LaufDie finstre Nacht, und sie muß sich erhellen;
Der harte Fels schließt seinen Busen auf,
Mißgönnt der Erde nicht die tiefverborgnen Quellen.
Ein jeder sucht im Arm des Freundes Ruh,
Dort kann die Brust in Klagen sich ergießen;
Allein ein Schwur druckt mir die Lippen zuUud nur ein Gott vermag sie auszuschließen.
Dort ruh' ich eine kleine Stille,
Dann öffnet sich der frische Blick;
Ich lasse dann die reine Hülle,
Den Gürtel und den Kranz zurück.
Und jene himmlischen GestaltenSie fragen nicht nach Mann und Weib,Und keine Kleider, keine FaltenUmgeben den verklärten Leib.
Zwar lebt' ich ohne Sorg' und Mühe,Doch fühlt' ich tiefen Schmerz genung.Vor Kummer altert' ich zu frühe!
Macht mich auf ewig wieder jung!
Dieselbe.
Nur wer die Sehnsucht kenntWeiß, was ich leide!
Allein und abgetrenntVon aller Freude,
Seh' ich an's FirmamentNach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kenntIst in der Weite.
Es schwindelt mir, es brenntMein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kenntWeiß, was ich leide!
Dieselbe.
So laßt mich scheinen, bis ich werde;Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!Ich eile von der schönen ErdeHinab in jenes feste Haus.
Harfenspieler.
Wer sich der Einsamkeit ergiebt,
Ach! der ist bald allein;
Ein jeder lebt, ein jeder liebt,
Und läßt ihn seiner Pein.
Ja! laßt mich meiner Qual!
Und kann ich nur einmalRecht einsam seyn,
Dann bin ich nicht allein.
Es schleicht ein Liebender lauschend sacht,Ob seine Freundin allein?
So überschleicht bei Tag und NachtMich Einsamen die Pein,
Mich Einsamen die Qual.
Ach, werd' ich erst einmalEinsam im Grabe seyn,
Da läßt sie mich allein!