Aus Wilhelm Meister.
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Derselbe.
An die Thüren will ich schleichen,
Still und sittsam will ich stehn;Fromme Hand wird Nahrung reichen,Und ich werde weiter gehn.
Jeder wird sich glücklich scheinen,Wenn mein Bild vor ihm erscheint;Eine Thräne wird er weinen,
Und ich weiß nicht was er weint.
Derselbe.
Wer nie sein Brod mit Thränen aß,
Wer nie die kummervollen NächteAuf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!
Ihr führt in's Leben uns hinein,
Ihr laßt den Armen schuldig werden,
Dann überlaßt ihr ihn der Pein:
Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.
philine.
Wie das Weib dem Mann gegebenAls die schönste Hälfte war,
Ist die Nacht das halbe Leben,
Und die schönste Hälfte zwar.
Könnt ihr euch des Tages freuen,Der nur Freuden unterbricht?
Er ist gut, sich zu zerstreuen;
Zu was anderm taugt er nicht.
Aber wenn in nächt'ger StundeSüßer Lampe Dämmrung fließt,Und vom Mund zum nahen MundeScherz und Liebe sich ergießt;
Wenn der rasche lose Knabe,
Der sonst wild und feurig eilt,
Ost bei einer kleinen Gabe,
Unter leichten Spielen weilt;
Wenn die Nachtigall VerliebtenLiebevoll ein Liebchen singt,
Das Gefangnen und BetrübtenNur wie Ach und Wehe klingt:
Mit wie leichtem HerzensregenHorchet ihr der Glocke nicht,
Die mit zwölf bedächt'gen SchlägenRuh' und Sicherheit verspricht I
Singet nicht in TrauertönenVon der Einsamkeit der Nacht;Nein, sie ist, o holde Schönen,Zur Geselligkeit gemacht.
Darum an dem langen TageMerke dir es, liebe Brust!Jeder Tag hat seine PlageUnd die Nacht hat ihre Lust.