Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Vüllüdeii.

Mährchen, noch so wunderbar,Dichterkünste machen's wahr.

Mignon.

Kennst du das Land, wo die Citronen blühn,

Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,

Ein sanfter Wind vorn blauen Himmel weht,

Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?

Kennst du es wohl?

Dahin! Dahin

Möcht' ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.

Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach,Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:

Was hat man dir, du armes Kind, gethan?

Kennst du es wohl?

Dahin! Dahin

Möcht' ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?

Das Maulthier sucht im Nebel seinen Weg;

In Höhlen wohnt der Drachen alte Brüt;

Es stürzt der Fels und über ihn die Fluth.

Kennst du es wohl?

Dahin! Dahin

Geht unser Weg, o Vater, laß uns ziehn!

Der Sänger.

Was hör' ich draußen vor dem Thor,Was auf der Brücke schallen?

Laß den Gesang vor unserm OhrIm Saale wiederhallen!

Der König sprach's, der Page lief;

Der Knabe kam, der König rief:

Laßt mir herein den Alten!

Gegrüßet seyd mir, edle Herrn,

Gegrüßt ihr, schöne Damen!

Welch reicher Himmel! Stern bei Stern!Wer kennet ihre Namen?

Im Saal voll Pracht und HerrlichkeitSchließt, Augen, euch; hier ist nicht ZeitSich staunend zu ergötzen.

Der Sänger drückt' die Augen ein,Und schlug in vollen Tönen;

Die Ritter schauten muthig drein,Und in den Schooß die Schönen.

Der König, dem das Lied gefiel,

Ließ ihm, zum Lohne für sein Spiel,Eine goldne Kette bringen.

Die goldne Kette gieb mir nicht,

Die Kette gieb den Rittern,

Vor deren kühnem AngesichtDer Feinde Lanzen splittern.

Gieb sie dem Kanzler, den du hast,Und laß ihn noch die goldne LastZu andern Lasten tragen.

Ich singe, wie der Vogel singt,

Der in den Zweigen wohnet;

Das Lied, das aus der Seele dringt,Ist Lohn, der reichlich lohnet;

Doch darf ich bitten, bitt' ich eins:Laß mir den besten Becher WeinsIn Purem Golde reichen.

Er setzt' ihn an, er trank ihn aus:

O Trank voll süßer Labe!

O! dreimal hochbeglücktes Haus,

Wo das ist kleine Gabe!

Ergeht's euch wohl, so denkt an mich,Und danket Gott so warm, als ichFür diesen Trunk euch danke.

Sallade

rom vertriebenen und zurückkehrenden Grafen.

Herein, o du Guter! du Alter herein!

Hier unten im Saale da sind wir allein,

Wir wollen die Pforte verschließen.

Die Mutter, sie betet, der Vater im HainIst gangen die Wölfe zu schießen.