Balladen.
Der Schatzgräber.
Arm am Beutel, krank am Herzen,Schleppt' ich meine langen Tage.Armuth ist die größte Plage,
Reichthum ist das höchste Gut!
Und, zu enden meine Schmerzen,
Ging ich einen Schatz zu graben.
Meine Seele sollst du haben!
Schrieb ich hin mit eignem Blut.
Und so zog ich Kreis' um Kreise,
Stellte wunderbare Flammen,
Kraut und Knochenwcrk zusammen:Die Beschwörung war vollbracht.
Und auf die gelernte WeiseGrub ich nach dem alten SchatzeAuf dem angezeigten Platze:
Schwarz und stürmisch war die Nacht.
Und ich sah ein Licht von weiten,
Und es kam gleich einem SterneHinten aus der fernsten Ferne,
Eben als es zwölfe schlug.
Und da galt kein Vorbereiten.
Heller ward's mit einemmaleVon dem Glanz der vollen Schale,
Die ein schöner Knabe trug.
Holde Augen sah ich blinkenUnter dichtem Blumenkränze;
In des Trankes HimmelsglanzeTrat er in den Kreis herein.
Und er hieß mich freundlich trinken;Und ich dacht': Es kann der KnabeMit der schönen lichten GabeWahrlich nicht der Böse seyn.
Trinke Muth des reinen Lebens!
Dann verstehst du die Belehrung,Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,Nicht zurück an diesen Ort.
Grabe hier nicht mehr vergebens.
Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen! Frohe Feste!
Sey dein künftig Zauberwort.
Der Rattenfänger.
Ich bin der wohlbekannte Sänger,Der vielgereiste Rattenfänger,Den diese altberühmte StadtGewiß besonders nöthig hat;
Und wären's Ratten noch so viele,Und wären Wiesel mit im Spiele;Von allen säubr' ich diesen Ort,Sie müssen mit einander fort.
Dann ist der gutgelaunte SängerMitunter auch ein Kinderfänger,
Der selbst die wildesten bezwingt,Wenn er die goldnen Mährchen singt.Und wären Knaben noch so trutzig,Und wären Mädchen noch so stutzig,In meine Saiten greis' ich ein,
Sie müssen alle hinter drein.
Dann ist der vielgcwandte SängerGelegentlich ein Mädchenfänger;
In keinem Städtchen langt er an,
Wo er's nicht mancher angethan.
Und wären Mädchen noch so blöde;Und wären Weiber noch so spröde;Doch allen wird so liebebangBei Zaubersaiten und Gesang.
>Von Anfang.!
Die Spinnerin.
Als ich still und ruhig spann,
Ohne nur zu stocken,
Trat ein schöner junger MannNahe mir zum Rocken.
Lobte, was zu loben war,
Sollte das was schaden?
Mein dem Flachse gleiches Haar,Und den gleichen Faden.
Ruhig war er nicht dabei,
Ließ es nicht beim Alten;
Und der Faden riß entzwei,
Den ich lang erhalten.
Und des Flachses Stein-GewichtGab noch viele Zahlen;
Aber, ach! ich konnte nichtMehr mit ihnen prahlen.
Als ich sie zum Weber trugFühlt' ich was sich regen,
Und mein armes Herze schlugMit geschwindem Schlägen.
Nun beim heißen Sonnenstich,Bring' ich's auf die Bleiche,
Und mit Mühe bück' ich michNach dem nächsten Teiche.
Was ich in dem KämmerleinStill und fein gesponnen,
Kommt — wie kann es anders seynEndlich an die Sonnen.