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Epistel«.
Völlig zu machen, Herr Wirth! Er aber mit finsterem AugeSah von der Seite mich an, ergriff den Knittel und schwenkteUnbarmherzig ihn über mich her und traf mir die Schultern,Traf den Kopf und hätte beinah mich zu Tode geschlagen.
Eilend lies ich davon und suchte den Richter; man holteGleich den Wirth, der ruhig erschien und bedächtig versetzte:
Also müss' es Allen ergehn, die das heilige GastrechtUnserer Insel verletzen und, unanständig und gottlosZeche verlangen vom Manne, der sie doch höflich bewirthet.Sollt' ich solche Beleidigung dulden im eigenen Hause?
Nein! es hätte fürwahr statt meines Herzens ein Schwamm nurMir im Busen gewohnt, wofern ich dergleichen gelitten.
Darauf sagte der Richter zu mir: Vergesset die Schläge,
Denn ihr habt die Strafe verdient, ja schärfere Schmerzen;
Aber wollt ihr bleiben und mitbewohnen die Insel,
Müsset ihr euch erst würdig beweisen und tüchtig zum Bürger.Ach! versetzt' ich, mein Herr, ich habe leider mich niemalsGerne zur Arbeit gefügt. So hab' ich auch keine Talente,
Die den Menschen bequemer ernähren; man hat mich im Spottnur
Hans Ohnsorge genannt und mich von Hause vertrieben.
O so sey uns gegrüßt! versetzte der Richter; du sollst dichOben setzen zu Tisch, wenn sich die Gemeine versammelt,
Sollst im Rathe den Platz, den du verdienest, erhalten.
Aber hüte dich wohl, daß nicht ein schändlicher RückfallDich zur Arbeit verleite, daß man nicht etwa das GrabscheitOder das Ruder bei dir im Hause finde, du wärestGleich aus immer verloren und ohne Nahrung und Ehre.
Aber auf dem Markte zu sitzen, die Arme geschlungenUeber dem schwellenden Bauch, zu hören lustige LiederUnserer Sänger, zu sehn die Tänze der Mädchen, der KnabenSpiele, das werde dir Pflicht, die du gelobest und schwörest.
So erzählte der Mann und heiter waren die StirnenAller Hörer geworden, und alle wünschten des TagesSolche Wirthe zu finden, ja solche Schläge zu dulden.
Zweite Epistel.
Würdiger Freund, du runzelst die Stirn; dir scheinen dieScherze
Nicht am rechten Orte zu seyn: die Frage war ernsthaft,
Und besonnen verlangst du die Antwort; da weiß ich, beimHimmel!
Nicht, wie eben sich mir der Schalk im Busen bewegte.
Doch ich fahre bedächtiger fort. Du sagst mir: so möchteMeinetwegen die Menge sich halten im Leben und Lesen,
Wie sie könnte; doch denke dir nur die Töchter im Hause,
Die mir der kuppelnde Dichter mit allem Bösen bekannt macht.
Dem ist leichter geholfen, versetz' ich, als wohl ein AndrerDenken möchte. Die Mädchen sind gut und machen sich gerne
Was zu schaffen. Da gieb nur dem einen die Schlüssel zumKeller,
Daß es die Weine des Vaters besorge, sobald sie vom WinzerOder vom Kaufmann geliefert die weiten Gewölbe bereichern.Manches zu schaffen hat ein Mädchen, die vielen Gefäße,
Leere Fässer und Flaschen in reinlicher Ordnung zu halten.
Dann betrachtet sie oft des schäumenden Mostes Bewegung,Gießt das Fehlende zu, damit die wallenden BlasenLeicht die Oeffnung des Fasses erreichen, trinkbar und helleEndlich der edelste Saft sich künftigen Jahren vollende.Unermüdet ist sie alsdann zu füllen, zu schöpfen,
Daß stets geistig der Trank und rein die Tafel belebe.
Laß der andern die Küche zum Reich; da giebt es, wahrhaftig!i Arbeit genug, das tägliche Mahl, durch Sommer und Winter,
^ Schmackhaft stets zu bereiten und ohne Beschwerde des Beutels.
^ Denn im Frühjahr sorget sie schon, im Hofe die Küchlein! Bald zu erziehen und bald die schnatternden Enten zu füttern.
! Alles, was ihr die Jahrszeit giebt, das bringt sie bei ZeitenDir auf den Tisch und weiß mit jeglichem Tage die SpeisenKlug zu wechseln, und reift nur eben der Sommer die Früchte,Denkt sie an Verrath schon für den Winter. Im kühlen GewölbeGährt ihr der kräftige Kohl, und reifen im Essig die Gurken;Aber die luftige Kammer bewahrt ihr die Gaben Pomonens.Gerne nimmt sie das Lob vom Vater und allen Geschwistern,Und mißlingt ihr etwas, dann ist's ein größeres Unglück,
Als wenn dir ein Schuldner entläuft und den Wechsel zurückläßt.Immer ist so das Mädchen beschäftigt und reiset im StillenHäuslicher Tugend entgegen, den klugen Mann zu beglücken.Wünscht sie dann endlich zu lesen, so wählt sie gewißlich einKochbuch,
Deren Hunderte schon die eifrigen Pressen uns gaben.
Eine Schwester besorget den Garten, der schwerlich zurWildniß,
! Deine Wohnung romantisch und feucht zu umgeben, verdammt ist,Sondern in zierliche Beete getheilt, als Vorhof der Küche,Nützliche Kräuter ernährt und jugendbeglückende Früchte.Patriarchalisch erzeuge so selbst dir ein kleines gedrängtesKönigreich und bevölkre dein Haus mit treuem Gesinde.
Hast du der Töchter noch mehr, die lieber sitzen und stilleWeibliche Arbeit verrichten, da ist's noch besser; die NadelRuht im Jahre nicht leicht: denn noch so häuslich im Hause,Mögen sie öffentlich gern als müßige Damen erscheinen.
Wie sich das Nähen und Flicken vermehrt, das Waschen undBügeln,
Hundertfältig, seitdem in weißer arkadischer Hülle
Sich das Mädchen gefällt, mit langen Röcken und Schleppen
Gassen kehret und Gärten, und Staub erreget im Tauzsaal.
Wahrlich! wären mir nur der Mädchen ein Dutzend im Hause,
Niemals wär' ich verlegen um Arbeit, sie machen sich Arbeit
Selber genug; es sollte kein Buch im Laufe des Jahres
Ueber die Schwelle mir kommen, vom Bücherverleiher gesendet.