Epigramme.
Venedig 179V.
Wle man Geld n»d Zeit verthan,Zeigt das Büchlein lustig an.
1 .
Sarkophagen und Urnen verzierte der Heide mit Leben:
Faunen tanzen umher, mit der Bacchantinnen ChorMachen sie bunte Reihe; der ziegengefüßete PausbackZwingt den heißeren Ton wild aus dem schmetternden Horn.Cpmbeln, Trommeln erklingen: wir sehen und hören den Marmor.
Flatternde Vogel! wie schmeckt herrlich dem Schnabel die Frucht!Euch verscheuchet kein Lärm, noch weniger scheucht er den Amor,Der in dem bunten Gewühl erst sich der Fackel erfreut.
So überwältiget Fülle den Tod, und die Asche da drinnenScheint, im stillen Bezirk, noch sich des Lebens zu freun.
So umgebe denn spät den Sarkophagen des DichtersDiese Rolle, von ihm reichlich mit Leben geschmückt.
2 .
Kaum an dem blaueren Himmel erblickt' ich die glänzende Sonne,Reich, vom Felsen herab, Epheu zu Kränzen geschmückt,
Sah den emsigen Winzer die Rebe der Pappel verbinden,
Ueber die Wiege Virgil's kam mir ein laulicher Wind:
Da gesellten die Musen sich gleich zum Freunde; wir PflogenAbgerißnes Gespräch, wie es den Wanderer freut.
3-
Immer halt' ich die Liebste begierig im Arme geschlossen,Immer drängt sich mein Herz fest an den Busen ihr an,Immer lehnet mein Haupt an ihren Knieen, ich blickeNach dem lieblichen Mund, ihr nach den Augen hinauf.Weichling! schölte mich Einer, und so verbringst du die Tage?
Ach! ich verbringe sie schlimm! Höre nur, wie mir geschieht:Leider wend' ich den Rücken der einzigen Freude des Lebens;
Schon den zwanzigsten Tag schleppt mich der Wagen dahin.Vetturine trotzen mir nun, es schmeichelt der Kämm'rer,
Und der Bediente vom Platz sinnet auf Lügen und Trug.Will ich ihnen entgehn, so faßt mich der Meister der Posten,Postillone sind Herrn, dann die Dogane dazu!
„Ich verstehe dich nicht! du widersprichst dir! du schienestParadiesisch zu ruhn, ganz wie Rinaldo beglückt."
Ach! ich verstehe mich wohl: es ist mein Körper auf Reisen,
Und es ruhet mein Geist stets der Geliebten im Schooß.
4.
Das ist Italien, das ich verließ. Noch stäuben die Wege,
Noch ist der Fremde geprellt, stell' er sich, wie er auch will.Deutsche Redlichkeit suchst du in allen Winkeln vergebens;
Leben und Weben ist hier, aber nicht Ordnung und Zucht;Jeder sorgt nur für sich, mißtrauet dem Andern, ist eitel,
Und die Meister des Staats sorgen nur wieder für sich.
Schön ist das Land; doch ach! Faustinen find' ich nicht wieder.Das ist Italien nicht mehr, das ich mit Schmerzen verließ.
5.
In der Gondel lag ich gestreckt und fuhr durch die Schiffe,
Die in dem großen Canal, viele befrachtete, stehn.
Mancherlei Waare findest du da für manches Bedürfniß,Weizen, Wein und Gemüs, Scheite, wie leichtes Gesträuch.Pfeilschnell drangen wir durch; da traf ein verlorener LorbeerDerb mir die Wangen. Ich rief: Daphne, verletzest du mich?Lohn erwartet' ich eher! Die Nymphe lispelte lächelnd:
Dichter sünd'gen nicht schwer. Leicht ist die Strafe. Nur zu!
6 .
Seh' ich den Pilgrim, so kann ich mich nie der Thränen enthalten.O, wie beseliget uns Menschen ein falscher Begriff!
7.
Eine Liebe hatt' ich, sie war mir lieber als alles!
Aber ich hab' sie nicht mehr! Schweig, und ertrag' den Verlust!
8 .
Diese Gondel vergleich' ich der sanft einschaukelnden Wiege,
Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg.
Recht so! Zwischen der Wieg' und dem Sarg wir schwanken undschweben
Aus dem großen Canal sorglos durch's Leben dahin.
9.
Feierlich sehn wir neben dem Doge den Nuncius gehen;
Sie begraben den Herrn, einer versiegelt den Stein.
Was der Doge sich denkt, ich weiß es nicht; aber der AndreLächelt über den Ernst dieses Gepränges gewiß.