Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Virr IchrrZMii.

Alle Viere, mehr und minder,Necken wie die hübschen Kinder.

Frühling.

1.

Auf, ihr Distichen, frisch! Ihr muntern lebendigen Knaben!Reich ist Garten und Feld! Blumen zum Kranze herbei!

2 .

Reich ist an Blumen die Flur; doch einige sind nur dem Auge,Andre dem Herzen nur schön; wähle dir Leser, nun selbst!

3 .

Rosenknospe, du bist dem blühenden Mädchen gewidmet,

Die als die Herrlichste sich, als die Bescheidenste zeigt.

4 .

Viele der Veilchen zusammen geknüpft, das Sträußchen erscheinetErst als Blume; du bist, häusliches Mädchen, gemeint.

5 .

Eine kannt' ich, sie war wie die Lilie schlank, und ihr Stolz warUnschuld; herrlicher hat Salomo keine gesehn.

6 .

Schön erhebt sich der Agley, und senkt das Köpfchen herunter.Ist es Gefühl? oder ist's Muthwill? Ihr rathet es nicht.

7 .

Viele duftende Glocken, o Hyacinthe, bewegst du;

Aber die Glocken ziehn, wie die Gerüche, nicht an.

8 .

Nachtviole, dich geht man am blendenden Tage vorüber;

Doch bei der Nachtigall Schlag hauchest du köstlichen Geist.

9 .

Tuberose, du ragest hervor und ergötzest im Freien;

Aber bleibe vom Haupt, bleibe vom Herzen mir fern!

10 .

Fern erblick' ich den Mohn; er glüht. Doch komm' ich dir näher,Ach! so seh' ich zu bald, daß du die Rose nur lügst.

11 .

Tulpen, ihr werdet gescholten von sentimentalischen Kennern;Aber ein lustiger Sinn wünscht auch ein lustiges Blatt.Gocihc, Werk-. I.

12 .

Nelken, wie find' ich euch schön! Doch alle gleicht ihr einander,Unterscheidet euch kaum, und ich entscheide mich nicht.

13 .

Prangt mit den Farben Aurorens, Ranunkeln, Tulpen undAstern!

Hier ist ein dunkles Blatt, das euch an Dufte beschämt.

14 .

Keine lockt mich, Ranunkeln, von euch, und keine begehr' ich;Aber im Beete vermischt sieht euch das Auge mit Lust.

15 .

Sagt! was füllet das Zimmer mit Wohlgerüchen? ResedaFarblos, ohne Gestalt, stilles bescheidenes Kraut.

16 .

Zierde wärst du der Gärtner; doch wo du erscheinest, da sagst du:Leres streute mich selbst aus, mit der goldenen Saat.

17 .

Deine liebliche Kleinheit, dein holdes Auge, sie sagenImmer: Vergiß mein nicht! immer: Vergiß nur nicht mein!

18 .

Schwänden dem inneren Auge die Bilder sämmtlicher Blumen,Eleonore, dein Bild brächte das Herz sich hervor.

Sommer.

19 .

Grausam erweiset sich Amor an mir! O, spielet ihr Musen,Mit den Schmerzen, die er, spielend, im Busen erregt!

20 .

Manuscripte besitz' ich, wie kein Gelehrter noch König;

. Denn mein Liebchen, sie schreibt, was ich ihr dichtete, mir.

21 .

Wie im Winter die Saat nur langsam keimet, im SommerLebhaft treibet und reift, so war die Neigung zu dir.

6