Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
JPEG-Download
 

84

Vier Jahreszeiten.

88 .

Welchen Hofmann ich ehre? Den klarsten und feinsten! DasAndre,

Was er noch sonst besitzt, kommt ihm als Menschen zu gut.

89 .

Ob du der Klügste seyst: daran ist wenig gelegen;

Aber der Biederste sey, so wie bei Rathe, zu Haus.

90 .

Ob du wachst, das kümmert uns nicht, wofern du nur singest.Singe, Wächter, dein Lied schlafend, wie Mehrere thun.

91 .

Dießmal streust du, o Herbst, nur leichte, welkende Blätter;Gieb mir ein andermal schwellende Früchte dafür.

Winter.

92 .

Wasser ist Körper und Boden der Fluß. Das neuste TheaterThut in der Sonne Glanz zwischen den Ufern sich auf.

93 .

Wahrlich, es scheint nur ein Traum! Bedeutende Bilder desLebens

Schweben, lieblich und ernst, über die Fläche dahin.

94 .

Eingefroren sahen wir so Jahrhunderte starren,

Menschengefühl und Vernunft schlich nur verborgen am Grund.

95 .

Nur die Fläche bestimmt die kreisenden Bahnen des Lebens;

Ist sie glatt, so vergißt Jeder die nahe Gefahr.

96 .

Alle streben und eilen und suchen und fliehen einander;

Wer Alle beschränkt freundlich die glättere Bahn.

97 .

Durch einander gleiten sie her, die Schüler und Meister,

Und das gewöhnliche Volk, das in der Mitte sich hält.

98 .

Jeder zeigt hier, was er vermag; nicht Lob und nicht TadelHielte diesen zurück, forderte Jenen zum Ziel.

99 .

Euch, Präconen des Pfuschers, des Meisters Verkleinerer, wünscht'ich,

Mit ohnmächtiger Wuth stumm hier am Ufer zu sehn.

100 .

Lehrling, du schwankest und zauderst und scheuest die glättereFläche.

Nur gelassen! du wirst einst noch die Freude der Bahn.

101 .

Willst du schon zierlich erscheinen, und bist nicht sicher! Vergebens!Nur aus vollendeter Kraft blicket die Anmuth hervor.

102 .

Fallen ist der Sterblichen Loos. So fällt hier der Schüler,

Wie der Meister; doch stürzt dieser gefährlicher hin.

103 .

Stürzt der rüstigste Läufer der Bahn, so lacht man am Ufer:Wie man bei Bier und Tabak über Besiegte sich hebt.

104 .

Gleite fröhlich dahin, gieb Rath dem werdenden Schüler,

Freue des Meisters dich, und so genieße des Tags.

105 .

Siehe, schon nahet der Frühling; das strömende Wasser verzehretUnten, der sanftere Blick oben der Sonne, das Eis.

106 .

Dieses Geschlecht ist hinweg, zerstreut die Lunte Gesellschaft;Schiffern und Fischern gehört wieder die wallende Fluth.

107 .

Schwimme, du mächtige Scholle, nur hin! und kommst du alsScholle

Nicht hinunter, du kommst doch wohl als Tropfen in's Meer.