Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Vermischte Gedichte.

Das Göttliche.

Edel sey der Mensch,HUlfreich und gut!

Denn das alleinUnterscheidet ihnVon allen Wesen,

Die wir kennen.

Heil den unbekanntenHähern Wesen,

Die wir ahnen!

Sein Beispiel lehr' unsJene glauben.

Denn unfühlendIst die Natur:

Es leuchtet die SonneUeber Bös' und Gute,

Und dem VerbrecherGlänzen, wie dem Besten,Der Mond und die Sterne.

Wind und Ströme,

Donner und HagelRauschen ihren Weg,

Und ergreifen,

Vorüber eilend,

Einen um den andern.

Auch so das GlückTappt unter die Menge,Faßt bald des KnabenLockige Unschuld,

Bald auch den kahlenSchuldigen Scheitel.

Nach ewigen, ehrnen,Großen GesetzenMüssen wir alleUnseres DaseynsKreise vollenden.

Nur allein der MenschVermag das Unmögliche;

Er unterscheidet,

Wählet und richtet;

Er kann dem AugenblickDauer verleihen.

Er allein darfDen Guten lohnen,

Den Bösen strafen,

Heilen und retten;

Alles Irrende, SchweifendeNützlich verbinden.

Und wir verehrenDie Unsterblichen,

Als wären sie Menschen,Thäten im Großen,

Was der Beste im KleinenThut oder möchte.

Der edle MenschSey hülfreich und gut!Unermüdet schaff' erDas Nützliche, Rechte,Sey uns ein VorbildJener geachteten Wesen!

Königlich Gebet.

Ha, ich bin der Herr der Welt! mich liebenDie Edlen, die mir dienen.

Ha, ich bin der Herr der Welt! ich liebeDie Edlen, denen ich gebiete.

O gieb mir, Gott im Himmel! daß ich michDer Höh' und Liebe nicht überhebe.

Mktischengefiihl.

Ach ihr Götter! große GötterIn dem weiten Himmel droben!Gäbet ihr uns auf der ErdeFesten Sinn und guten Muth;O wir ließen euch, ihr Guten,Euren weiten Himmel droben!

Lili's Park.

Ist doch keine MenagerieSo bunt als meiner M ihre!

Sie hat darin die wunderbarsten Thiere,

Und kriegt sie 'rein, weiß selbst nicht wie.

O wie sie hüpfen, laufen, trappeln,

Mit abgestumpften Flügeln zappeln,

Die armen Prinzen allzumal,

In ungelöschter Liebesqual!

Wie hieß die Fee? — Lili? — Fragt nicht nach ihr!Kennt ihr sie nicht, so danket Gott dafür.

Welch ein Geräusch, welch ein Gegacker,

Wenn sie sich in die Thüre stellt

Und in der Hand das Futterkörbchen hält!

Welch ein Gequiek, welch ein Gequacker!

Alle Bäume, alle Büsche scheinen lebendig zu werdenSo stürzen sich ganze HeerdenZu ihren Füßen; sogar im Bassin die FischePatschen ungeduldig mit den Köpfen heraus:

Und sie streut dann das Futter ausMit einem Blick — Götter zu entzücken,

Geschweige die Bestien. Da geht's an ein Picken,

An ein Schlürfen, an ein Hacken;

Sie stürzen einander über die Racken,

Schieben sich, drängen sich, reißen sich,