Vermischte Gedichte.
101
Wer rettete voui Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet.Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, RettungsdankDem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindertJe des Beladenen?
Hast du die Thränen gestilletJe des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedetDie allmächtige ZeitUnd das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben Haffen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alleBlüthenträume reiften?
Hier sitz' ich, forme MenschenNach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sey,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!
Ganymed.
Wie im MorgenglanzeDu rings mich anglichst,
Frühling, Geliebter!
Mit tausendfacher LiebeswonneSich an mein Herz drängtDeiner ewigen WärmeHeilig Gefühl,
Unendliche Schöne!
Daß ich dich fassen möcht'
In diesem Arm!
Ach an deinem BusenLieg' ich, schmachte,
Und deine Blumen, dein GrasDrängen sich an mein Herz.
Du kühlst den brennendenDurst meines Busens,
Lieblicher Morgenwind!
Ruft drein die NachtigallLiebend nach mir aus dem Nebelthal.Ich komm', ich komme!
Wohin? Ach, wohin?
Hinauf! Hinauf strebt's.
Es schweben die Wollen
Wwärts, die WollenNeigen sich der sehnenden Liebe.Mir! MirIn enerm SchooßeAufwärts!
Umfangend umfangen!Aufwärts an deinen Busen,Allliebender Vater!
Gränzen der Menschheit.
Wenn der uralteHeilige VaterMit gelassener HandAus rollenden WolkenSegnende BlitzeUeber die Erde sä't,
Küff' ich den letztenSaum seines Kleides,
Kindliche SchauerTreu in der Brust.
Denn mit GötternSoll sich nicht messenIrgend ein Mensch.
Hebt er sich aufwärts,
Und berührt
Mit dem Scheitel die Sterne,Nirgends haften dannDie unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielenWolken und Winde.
Steht er mit festenMarkigen KnochenAuf der wohlgegründetenDauernden Erde;
Reicht er nicht auf,
Nur mit der EicheOder der RebeSich zu vergleichen.
Was unterscheidetGötter von Menschen?
Daß viele WellenVor jenen wandeln,
Ein ewiger Strom:
Uns hebt die Welle,
Verschlingt die WelleUnd wir versinken.
Ein kleiner RingBekränzt unser Leben,
Und viele GeschlechterReihen sich dauerndAn ihres DaseynsUnendliche Kette.