Mehrbändiges Buch 
Goethe's sämmtliche Werke : Vollständige Ausgabe in sechs Bänden
Entstehung
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Vermischte Gedichte.

Da in einem Ehrenspiegel schauen;

Dann allerlei Blutdurst, Frevel und Mord,

Der zwölf Tyrannen Schandenport,

Auch allerlei Lehr' und gute Weis.

Könnt sehn St. Peter mit der Gaiß,

Ueber der Welt Regiment unzufrieden,

Bon unserm Herrn zurecht beschieden.

Auch war bemalt der weite Raum

Ihres Kleids und Schlepps und auch der Saum

Mit weltlich Tugend und Laster Geschieht.

Unser Meister das all erfichtUnd freut sich dessen wundersam,

Denn es dient sehr in seinen Kram.

Von wannen er sich eignet sehrGut Exempel und gute Lehr',

Erzählt das eben fix und treu,

Als wär' er selbst gesyn dabei.

Sein Geist war ganz dahin gebannt,

Er hätt' kein Auge davon verwandt,

Hätt' er nicht hinter seinem RuckenHören mit Klappern und Schellen spucken.

Da thät er einen Narren spürenMit Bocks- und Affensprüng Hofiren,

Und ihm mit Schwank und NarretheidenEin lustig Zwischenspiel bereiten.

Schleppt hinter sich an einer LeinenAlle Narren, groß und kleinen,

Dick und hager, gestreckt und krumb,

Allzu witzig und allzu dumb.

Mit einem großen FarrenschwanzRegiert er sie wie ein'n Affentanz.

Bespöttet eines jeden Fürm,

Treibt sie in's Bad, schneid't ihnen die Würm,Und führt gar bitter viel Beschwerden,

Daß ihrer doch nicht wollen wen'ger werden.

Wie er sich sieht so um und um,

Kehrt ihm das fast den Kopf herum.

Wie er wollt' Worte zu allem finden?

Wie er möcht' so viel Schwall verbinden?

Wie er möcht' immer muthig bleiben,

So fort zu singen und zu schreiben?

Da steigt auf einer Wolke SaumHerein zu's OLerfensters RaumDie Muse, heilig anzuschauen,

Wie ein Bild unsrer lieben Frauen.

Die umgiebt ihn mit ihrer KlarheitImmer kräftig wirkender Wahrheit.

Sie spricht: Ich komm, um dich zu weihn,Nimm meinen Segen und Gedeihn!

Ein heilig Feuer, das in dir ruht,

Schlag aus in hohe lichte Gluth!

Doch daß das Leben, das dich treibt,

Immer bei holden Kräften bleibt;

Hab ich deinem innern WesenNahrung und Balsam auserlesen,

Daß deine Seel' sey WonnereichEiner Knospe im Thaue gleich.

Da zeigt sie ihm hinter seinem HausHeimlich zur Hinterthür hinaus,

In dem eng umzäunten Garten,

Ein holdes Mägdlein sitzend wartenAm Büchlein, beim Hollunderstrauch;Mit abgesenktem Haupt und Aug,

Sitzt unter einem ApfelbaumUnd spürt die Welt rings um sich kaum, .Hat Rosen in ihren Schooß gepflücktUnd bindet ein Kränzlein sehr geschickt,Mit hellen Knospen und Blättern drein:Für wen mag wohl das Kränzlein seyn?So sitzt sie in sich selbst geneigt,

In Hoffnungsfülle ihr Busen steigt,

Ihr Wesen ist so ahndevoll,

Weiß nicht, was sie sich wünschen soll,Und unter vieler Grillen LaufSteigt wohl einmal ein Seufzer auf.

Warum ist deine Stirn so trüb?

Das, was dich dränget, süße Lieb',

Ist volle Wann' und Seligkeit,

Die dir in Einem ist bereit,

Der manches Schicksal wirrevollAn deinem Auge sich lindem soll;

Der durch manch wonniglichen KußWiedergeboren werden muß;

Wie er den schlanken Leib umfaßt,

Von aller Mühe findet Rast;

Wie er in's liebe Aermlein sinkt,

Neue Lebenstag' und Kräfte trinkt.

Und dir kehrt neues Jugendglück,

Deine Schalkheit kehret dir zurück.

Mit Necken und manchen SchelmereienWirst ihn bald nagen, bald erfreuen.

So wird die Liebe nimmer alt,

Und wird der Dichter nimmer kalt!

Wie er so heimlich glücklich lebt,

Da droben in den Wolken schwebtEin Eichkranz, ewig jung belaubt,

Den setzt die Nachwelt ihm aufs Haupt,In Froschpfuhl all das Volk verbannt,Das seinen Meister je verkannt.

Äuf Mieöing's Tod.

Welch ein Getümmel füllt Thaliens Haus?Welch ein geschäftig Volk eilt ein und aus?

Von hohlen Brettern tönt des Hammers Schlag,Der Sonntag feiert nicht, die Nacht wird Tag.Was die Erfindung still und zart ersann,Beschäftigt laut den rohen Zimmermann.

Ich sehe Hauenschild gedankenvoll;